Eltern unter Druck

Berlin. Eltern in Deutschland sind einer Studie zufolge immer größeren Belastungen ausgesetzt und fühlen sich zunehmend überfordert.

Wie aus der am Mittwoch in Berlin vorgestellten Studie «Eltern unter Druck» der Konrad-Adenauer-Stiftung hervorgeht, haben Eltern es schwer, Familie und Beruf zu vereinbaren. Neben einem wachsenden finanziellen Druck kämpfen Eltern demnach auch mit Zeit- und Organisationsproblemen, um den Alltag zu meistern. Diese Schwierigkeiten seien objektiv da, erklärte Projektleiterin Christine Henry-Huthmacher. Viele Eltern fühlten sich allein gelassen und beklagten sich über fehlende Anerkennung seitens der Politik sowie Kinderunfreundlichkeit in der Gesellschaft.

In den Familien der breiten Mittelschicht reicht laut Studie ein einziges Einkommen oft nicht mehr aus, um über die Runden zu kommen. In vielen Haushalten gerade in den alten Bundesländern sei inzwischen ein zweites Einkommen der Mutter nötig, um den Kindern sinnvolle Freizeitbeschäftigungen wie Sport und Musik zu ermöglichen. Gleichzeitig habe die Mehrzahl der Eltern wenig Vertrauen in das öffentliche Bildungssystem, erklärte Henry-Huthmacher. Um nicht den Anschluss an die Wissensgesellschaft zu verlieren, werde viel Geld in Privatunterricht für die Kinder investiert.

Nach Schätzungen von Experten sind laut Studie knapp ein Drittel der Eltern mit der Erziehung überfordert. Verantwortlich dafür seien vor allem wirtschaftliche Gründe, erklärte Henry-Huthmacher. 15 Prozent der Familien in Deutschland lebten in relativer Armut. Zudem werde von den Unternehmen Druck ausgeübt. «De facto führt Elternschaft am Arbeitsplatz zur Schwächung der zugeschriebenen Kompetenz, der übertragenen Verantwortlichkeiten und der Aufstiegschancen im Unternehmen», fügte die Expertin hinzu. Es gebe eine strukturelle Rücksichtslosigkeit des Wirtschaftssystems gegenüber familiären Belangen. (AFP)

 
 

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