Eiskalter Mörder: Neuenrader bricht Schweigen

Foto: Volker Herold / WAZ FotoPool
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Neuenrade. Spektakuläre Wende im Mordprozess vor dem Hagener Landgericht. Der angeklagte Neuenrader Michael P. (48) räumte die Morde an der Altenaer Rentnerin Hildegard S. und dem Kölner Pizzabäcker Umberto S. ein, gab an: „Ich will mit meiner Vergangenheit abschließen.“

Wochenlang hatte der 48-Jährige geschwiegen. Nun brach er sein Schweigen, sorgte mit dem, was er zu sagen hatte, immer wieder für Überraschungen. Sich schonte Michael P. bei seinen Ausführungen nicht, titulierte sich selbst sogar als eiskalten Mörder.

Vielmehr gingen seine Offenbarungen weit über das hinaus, was Prozessbeteiligte und Beobachter erwartet haben dürften. So gestand er beispielsweise, an einem Banküberfall in Lüdenscheid im Jahr 1994 beteiligt gewesen zu sein. Und: Der 48-Jährige bestätigte, seiner Ex-Frau tatsächlich etwas über die Morde erzählt zu haben. Ohnehin konnte das Leben des Ex-Modells, Talkshow-Gastes, DDR-Flüchtlings und verurteilten Straftäters kaum als alltäglich bezeichnet werden – nun entpuppte sich seine Vergangenheit als noch weitaus facettenreicher.

Kurier im Auftrag mafiöser Familie

Michael P. sprach von seinen Kontakten zu einer mafiösen Familie – Ursprung etlicher Straftaten, auch der beiden Morde. Im Auftrag dieser Familie habe er sich beispielsweise auch als Falschgeld-Kurier betätigt. Nach dem Mord in Altena – seiner Schilderung nach eine Spontantat – hätte ihm die besagte Familie in Aussicht gestellt, er könne sein Konto aufbessern. „Es sollte Jemand erledigt werden.“ Mehrere Personen hätten Probleme mit einem Mann aus Köln. „Der Auftrag sollte ausgeführt werden. Dem bin ich gefolgt.“

Zynisches Detail: Zwischen ihm und seinen Hintermännern hatte es offenbar Code-Wörter gegeben: „Blechschaden“ habe Banküberfall bedeutet, „Totalschaden“ einen Toten. Auch hatte er nach den Morden in rote Tücher gewickelte Patronen übergeben. Was die Kölner Tat betraf, gab er zudem an, die Armbanduhr des Toten mitgenommen zu haben – als Beweis für die Erledigung des Auftrags. Auf ein weiteres Angebot hinsichtlich eines „Totalschadens“ sei er nicht mehr eingegangen.

Das Verfahren wird am 26. November fortgesetzt.

 
 

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