Einfach eindringlich und effektvoll

So eindringlich kann einfach sein: Vor einem weißen Hintergrund prangt das Gefährt. Oben Kinderwagen, unten Rollstuhl ist es, und unter ihm ist in schlichter Schrift zu lesen: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren“.

Das vierte Gebot kombiniert mit der Debatte über Generationengerechtigkeit. Die Aktualität im Altbekannten ist die Stärke dieser Arbeiten von Sascha Dörger. Der Grafik-Designer setzte für seine Diplom-Arbeit „Die zehn Gebote“ plakativ um. Sie bilde nun den Ausstellungsteil zum Kulturhauptstadtprojekt „Pop-Oratorium“. Ab Freitag, 26. Februar, ist die Schau in der Evangelischen Ladenkirche zu sehen.

Mit der Ausstellung an der Kaiserstraße 4 schließt sich der Kreis. Denn dort begann der Mülheimer Sascha Dörger seine Recherchen zum Thema. Zweimal traf er sich mit Pfarrer Frank Kastrup, ließ sich von ihm die zehn Gebote und deren Auslegungsgeschichte erklären. Kastrup will sie nicht als „zehn Verbote“ missverstanden wissen, sondern als „zehn große Freiheiten“, die sich aus der Frage ergäben: „Wie kann man als Volk in der Gemeinschaft zusammenleben, ohne dass jemand Verlierer ist?“ Und das sei auch noch heute aktuell und nachdenkenswert.

Zum Nachdenken anregen wollte Sascha Dörger und entschied sich bewusst für eine reduzierte Darstellung: „Ich wollte mich bewusst von aller Effekthascherei befreien.“

Doch gerade der Minimalismus wirkt effektvoll: Den Controller einer Computerspiel-Konsole lässt er auf einem Plakat in den Griff einer Pistole übergehen – „Du sollst nicht töten“. Ein Mp3-Player wird mit Schloss und Copyright-Zeichen kombiniert – „Du sollst nicht stehlen“. Betende Hände umschließen Geldscheine – „Ich bin der Herr dein Gott – Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“. Zeitgeist, Gesellschaftskritik, seine eigene Auslegung der Gebote kombiniert Dörger zehnfach und hofft, die Betrachter durch die Zuspitzung bewegen zu können. „Meine Branche lebt von der Headline, aber ich verzichte darauf. Die Menschen sollten selbst denken.“

Das können sie bis zum 9. April, so lange ist die Ausstellung in der Ladenkirche zu sehen. Eröffnet wird sie Freitag um 17 Uhr. Pfarrer Frank Kastrup wird in sie einführen.

 

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