Eine sinnvolle Aufgabe

Denise Ludwig

Noch vor einem Jahr hatte der junge Mann, der gerade aus der Schule kam, die Wahl zwischen zwei Pflichtprogrammen: Gehe ich zur Bundeswehr oder leiste ich Zivildienst? Wie auch immer die Entscheidung ausfiel, sie war nicht gänzlich freiwillig. Das ist heute anders. Die Wehrpflicht gibt es nicht mehr, den Zivildienst dadurch auch nicht. Statt dessen versprach die Regierung eine „neue Kultur der Freiwilligkeit“. Die scheint es dank des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) zu geben. Die Nachfrage nach Stellen ist nur sieben Monate nach dem Start des Freiwilligendienstes höher als das Angebot. Damit hat der BFD einen besseren Start hingelegt als anfangs gedacht.

Man kann den Menschen nur Respekt dafür zollen, dass sie sich für ihre Mitmenschen engagieren. Jede Seite profitiert davon. Diejenigen, die Hilfe suchen, bekommen sie. Diejenigen, die Hilfe leisten, tun etwas, was ihrem Leben einen Sinn gibt. Und es gibt ihnen in Zeiten des Turbo-Abis, in denen junge Menschen möglichst früh möglichst fit für den Arbeitsmarkt sein müssen, ein Stück Entschleunigung. Der Vorteil des BFD gegenüber des Zivildienstes liegt darin, dass sich die Freiwilligen wirklich engagieren wollen.

Schon werden Rufe nach dem Ausbau der BFD-Plätze laut. Doch dazu ist der Freiwilligendienst noch zu jung. Es ist gut möglich, dass sich der große Ansturm auf die Stellen wieder legen wird. Denn in diesem Jahr werden in einigen Bundesländern, wie Brandenburg oder Baden-Württemberg, aufgrund des doppelten Abiturjahrgangs zig junge Menschen gleichzeitig aus den Schulen entlassen.

Bei all den lobenden Worten für den guten Start gibt es doch auch Bedenkliches: So sorgt sich der eine oder andere Wohlfahrtsverband darüber, dass der Freiwilligendienst dazu missbraucht wird, die Arbeitslosenzahlen zu schönen. Oder darüber, dass der BFD zu einem bezahlten Dienst wird, der das Ehrenamt am Ende kannibalisiert. Der Freiwilligendienst muss bleiben, was er ist: ein freiwilliges Zusatzangebot.