Ein Zockerparadies für 48 Spiel-Stunden

Von Larissa Pluschke
Foto: Henryk Brock

Königsborn.  Laute Kampfschreie schallen durch die Stadthalle. 48 Stunden wach und konzentriert bleiben, das geht an die Substanz. Denn zur „Ratcon 2012“ heißt es zocken: Brett-, Karten- und Rollenspiele – und davon jede Menge.

„Seit 18 Jahren gibt es die Ratcon jetzt schon, aber in Unna findet sie dieses Jahr zum ersten Mal statt“, sagt Organisator Reiner Heep. Bis zum letzten Jahr lief die bekannte Spiele-Convention noch in Dortmund, doch der Veranstaltungsort sei einfach zu teuer geworden. „Die Stadthalle in Unna hat mit der ruhigen Lage und der guten Parkplatzsituation gepunktet und dass die Ratcon im Ruhrpott bleiben soll, war für uns beschlossene Sache“, erklärt Heep die Auswahl des neuen Veranstaltungsortes.

Basar für Fantastisches

Ursprünglich kommt die Ratcon aus Ratingen und so sei die Ratte (englisch: „rat“) dann auch das Symbol der Veranstaltung geworden.

Trotz des neuen Veranstaltungsortes ist die Resonanz positiv: Jeder Parkplatz ist besetzt und rund 1500 Besucher sind nach Unna gereist, um die Ratcon zu besuchen. Aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz kommen Besucher, die sich neben der Leidenschaft für Fantastisches dem Brettspiel verschrieben haben. „Hier ist einfach eine gute Stimmung und man kann super neues Material für die Spiele kaufen“, freut sich Sebastian Makowka aus Bochum. Und tatsächlich: Das Innere der Stadthalle erinnert doch stark an einen Basar. Stände mit Spielfiguren, Regelwerken, mittelalterlichen Waffen und Comics zieren die Gänge. „Das meiste Material bezieht sich schon auf das Genre Fantasy, aber auch für Mittelalter-Fans gibt es einiges zu sehen“, erklärt der Organisator Reiner Heep. Neben dem Einkaufen von neuem Spielmaterial steht natürlich auch das Spielen selbst im Vordergrund. 48 Stunden können die Besucher in separaten Spielräumen zocken, wer schlafen will, darf aber auch schlafen gehen.

„Das ist alles ganz unverbindlich“, sagt Reiner Heep mit einem Augenzwinkern. Nur zu den festen Turnierrunden im Brett- und Kartenspiel müssten die Teilnehmer pünktlich antreten. „Aber es gibt bei uns noch mehr als nur die Spielrunden. Wir haben uns ein sehr abwechslungsreiches Programm überlegt, damit sich auch niemand langweilt“, sagt Heep.

Kinonacht am Samstag

Am Samstagabend gab es eine Kinonacht mit japanischen Anime-Filmen und an Workshops konnte auch jeder Besucher nach Belieben teilnehmen. Daniel Jungblut aus Köln leitet so einen Workshop, einfach weil es ihm Spaß macht. „Bei mir geht es um ein neues Regelwerk für ein Live-Rollenspiel, das gerade entwickelt wird“, verrät er. Live-Rollenspiel heißt dabei, dass mit Hilfe eines Spielleiters eine Geschichte auf einer echten Burg gespielt wird.

Nach den Workshops und dem Ende der Spielrunden fallen viele Besucher müde in ihre Zelte, die sie draußen aufgeschlagen haben, und entspannen sich vom Nervenkitzel in der Halle. Eine gelungene Premiere, die sich in Unna im nächsten Jahr gerne fortsetzen kann.