Ein „Weiter so“ darf es nicht geben – von Walter Bau

Walter Bau

In Kürze jährt sich zum 25. Mal die Atom-Katastrophe von Tschernobyl. Der Name der ukrainischen Stadt – bis zu jenem 26. April 1986 weithin unbekannt – steht seitdem weltweit symbolhaft für den atomaren Super-GAU schlechthin. Nun steht fest, dass künftig neben Tschernobyl ein zweiter Name dieses Schicksal teilen wird: Fukushima.

Noch ist unklar, was genau sich in dem havarierten Atommeiler ereignet hat; auch die Folgen für die Menschen in Japan sind unabschätzbar. Klar ist dagegen: Die Politiker in Deutschland haben keine Zeit verloren – nur Stunden nach den ersten Meldungen über die sich abzeichnende Ka­tastrophe wurde die parteipolitische Debatte darüber eröffnet. Das Leid in Japan, so hatte man bei mancher eiligen Wortmeldung den Eindruck, wurde für die eigene politische Profilierung in den Hintergrund gerückt.

Inzwischen ist die Auseinandersetzung voll entbrannt – und sie ist notwendig. Ein einfaches „Weiter so“ darf es nicht geben. Dafür liegen zu viele offene Fragen auf dem Tisch. Dass die Sicherheit der deutschen Atommeiler überprüft wird, wie die Kanzlerin ankündigt, kann nur der Anfang sein.

Die beschlossene Laufzeit-Verlängerung für die Kraftwerke muss aufs Neue hinterfragt werden: Ist es wirklich verantwortbar, alte Reaktoren länger am Netz zu halten? Ist nicht doch ein schnellerer Umstieg auf regenerative Energien möglich? Gleichzeitig muss das ungelöste Problem eines Endlagers für Atommüll endlich entschlossen angegangen werden. Und letztlich kommt man auch an der unbequemen Frage nach der grundsätzlichen Vertretbarkeit einer, wie Fukushima auf bedrückende Weise zeigt, letztlich unbeherrschbaren Technik nicht vorbei.

All dies muss auf die politische Agenda – vorurteilsfrei, sachlich, unaufgeregt. Doch die Chancen für eine solche Debatte stehen nicht gut. Es herrscht Wahlkampf, in Baden-Württemberg, in Rheinland-Pfalz, in Sachsen-Anhalt – und schon bald wohl auch in NRW. Schlechte Zeiten für seriöse Debatten. Wer hofft, dass die Katastrophe von Fukushima zu einem Innehalten der Politik führt, sieht sich schon jetzt enttäuscht.

Fazit: Fukushima markiert einen Einschnitt. Ein schlichtes „Weiter so“ in der Atompolitik darf es nicht geben. Nötig ist eine vorurteilsfreie Debatte über die künftige Energiepolitik. Doch dafür müssen wohl erst die Wahlkämpfe der nächsten Monate vorbeigehen.