Ein Verwundeter – von Dirk Hautkapp

Dirk Hautkapp

Die Bundeswehr steuert auf die radikalste Reform in ihrer Geschichte zu. An der Spitze aber steht ein verwundeter Mann, der, wenn man ihm glaubt, ohne böse Absicht aber in einer Art Dauer-Blackout seine Doktorarbeit zusammengeschummelt haben will. Das kann nicht gut gehen.

Was auf dem Spiel steht – der Umbau der Streitkräfte von der Wehrpflicht- zur Freiwilligen-Armee, samt Personalabbau, Sparzwängen und großem Alte-Zöpfe-Abschneiden – wäre bereits für einen im Vollbesitz seiner Integrität und Durchsetzungskraft stehenden Minister eine Aufgabe, die permanente Rückendeckung durch das Kanzleramt und die eigene Partei erfordert. Man legt sich mit einem schwerfälligen Apparat an. Man vergrätzt Bürgermeister, die Menschenketten um ihre von Schließung bedrohten Kasernen veranstalten werden. Kurz: Man bewegt sich ständig auf vermintem Terrain.

Karl-Theodor zu Guttenberg kann an dieser Aufgabe nur scheitern. Seine Glaubwürdigkeit ist schwer angekratzt. Und um das Herzstück der Reform, die Zufuhr von Freiwilligen in der neuen Berufsarmee, ist es schlecht bestellt. Obwohl die Wehrpflicht so gut wie ausgemustert ist, wird nicht erkennbar, wie Guttenberg die Bundeswehr zu einem attraktiven Arbeitgeber machen will, der solide Ausbildung und gut bezahlte Jobs in einem familienfreundlichen Umfeld bietet. Darauf aber kommt es an.