Ein Schloss mit echten Geistern

Schloss Neuenhof. Foto: Gerd Lorenzen
Schloss Neuenhof. Foto: Gerd Lorenzen
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Lüdenscheid..  Gut, die Burg Altena hat einiges zu bieten, aber leider nicht einen Geist. Keinen einzigen kopflosen Ritter, der nachts durch die Gänge poltert und mit Ketten rasselt.

Schloss Neuenhof ist zwar bei weitem nicht so groß, aber es hat einen König – und gleich verschiedene Geister. Aber gruseln muss man sich jetzt nicht: Diese Geister haben einen Kopf und sind freundlich.

Wasserburg vor
800 Jahren

Das Schloss Neuenhof ist schon ziemlich alt. Natürlich nicht das Gebäude, dass man heute sehen kann (obwohl es auch schon 400 Jahre alt ist). Die gräfliche Familie von dem Bussche-Ippenburg genannt von Kessell hat schon im 13. Jahrhundert eine Wasserburg an dieser Stelle gebaut. Das ist über 800 Jahre her. Die erste Urkunde zu der Burg stammt aus dem Jahr 1326. Dieses Gebäude ist natürlich schon längst Geschichte.

Die älteste Jahreszahl, die man an dem Schloss finden kann, ist auf der Wetterfahne auf dem First mit dem Wappen: 1643.

1693 werden durch einen schlimmen Brand weite Teile des Hauses bis auf die Außenmauern und die Kellergewölbe zerstört. Johann Leopold von Neuhoff nutzt den Neuaufbau zu einer Erweiterung. An die Ostseite des Herrenhauses lässt er zwei Türme setzen – sieht ja auch toll aus. Heute ist das Schloss viel größer geworden und anders als in der Burg Altena wohnt hier sogar der Schlossherr mit seiner Familie: Alhard von dem Bussche-Kessell. Deswegen kann man das Schloss innen auch nicht besichtigen. Schließlich würdet Ihr auch nicht wildfremde Menschen in eure Wohnung lassen.

Kurz: An dieser Stelle haben schon sehr viele Menschen gelebt und manche möchten den Ort einfach nicht mehr verlassen.

Wie zum Beispiel Gräfin Vera. Sie hat von 1884 bis 1965 gelebt. Ihren Geist hat noch niemand gesehen, aber manchmal öffnen sich auf unerklärliche Art und Weise Fenster und Türen. Gräfin Vera soll sich immer noch darüber grämen, dass ihr Hermann nur selten in dem Schloss war.

Eine weitere Seele, die heute noch durch das Schloss wandelt, ist Leopold Friedrich Wilhelm Franz Freiherr von dem Bottlenberg genannt von Kessell (der hat wirklich einen so langen Namen). Der hat von 1745 bis 1820 gelebt – also vor einer ganzen Weile. Der Freiherr war ein richtiger Romantiker: Am 2. August 1772 – mit zarten 27 Jahren – ritzte er mit seinem Brillantring ein Gedicht in eine Fensterscheibe: „Lass stolze Fürsten streiten und prächtig elend sein, zu wahren Zärtlichkeiten bleibt stets ihr Herz zu klein, dem schönsten aller Triebe will ich mein Herze weihn, ich küsse was ich liebe, die ganze Welt ist mein.“ Mit anderen Worten: Der Freiherr war wohl verliebt. Die Scheibe mit dem Gedicht wird immer noch im Schloss aufbewahrt.

Gar nicht erfreut war Leopold Friedrich Wilhelm Franz, als seine Gebeine – er war eigentlich auf dem Schlossgelände beerdigt – vor 100 Jahren auf den alten evangelischen Friedhof an der Mathildenstraße umgebetet wurde.

Jetzt muss nur noch die Frage beantwortet werden, wer denn der König war: Theodor Freiherr von Neuhoff hieß er. Geboren wurde er 1694 in Köln, gestorben ist er 1756 in London. Theodor kam an vielen wichtigen Herrscherhöfen Europas herum. Zwischendurch war er sogar Agent.

Theodor kam schließlich mit Anführern der Aufständischen in Korsika (eine Insel im Mittelmeer) zusammen, die in ihm den Retter vom Joch der genuesischen Fremdherrschaft erblickten. Sie wählten ihn 1736 zu ihrem König. Leider blieb er das nicht lange. Die Korsen waren nämlich ein recht streit- und rachsüchtiges Volk. Theodor musste türmen. Bis 1749 versuchte er, wieder König zu werden, entging sogar ein paar Mordanschlägen. Theodor hatte viele Schulden und damals wurde man dafür ins Gefängnis geworfen. Bis 1755 saß er in London im „Schuldenturm“, wurde entlassen, kam wieder in den Knast und starb drei Tage nach seiner Entlassung.

Falls Theodor auch ein Geist ist, dann spukt er bestimmt auf Korsika.

 
 

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