Ein Roboter als Kinder-Tröster

Brüssel. Probo trägt grünen Plüsch, er reagiert auf Gefühle und soll kleinen Patienten das Leben im Krankenhaus erleichtern – In Brüssel wird das technische Wunderwerk getestet

Probo redet nicht viel, aber er ist nett, und er reagiert auf Gefühle. Sein künstlicher Intellekt verbirgt sich hinter einer Schicht aus grünem Plüsch, er schaut mit großen Augen in die Welt, und je nach Stimmungslage verzieht er seinen breiten Mund zu einem Lächeln, oder er legt die Stirn in Sorgenfalten. Probo ist der erste europäische Schmuseroboter. Noch in diesem Jahr soll er in der Brüsseler Universitätsklinik kleinen Patienten das Leben erleichtern. „Kinder kommunizieren nicht wie wir Erwachsene, sie müssen nicht so viel reden“, sagt Ivan Hermans, der für das Projekt verantwortlich ist. Unterstützt wird er dabei von der belgischen Anty-Stiftung, die sich für das Wohl kranker Kinder einsetzt.

Eigene schmerzliche Erfahrungen

Der ehemalige flämische Musikproduzent weiß, wie hilflos und einsam man sich in einem Krankenhaus fühlen kann. Nach einem schweren Autounfall war er selbst viele Tage an das Bett gefesselt, er konnte sich nicht bewegen, nur den Stimmen auf dem Klinik-Flur lauschen. „Als ich Steven Spielberg’s Film E.T. sah, kam mir die Idee mit dem Roboter Probo“, erinnert er sich. Er gab seinen Beruf zugunsten der Arbeit mit kranken Kindern auf. Seitdem sind fünf Jahre vergangen, fünf Jahre, in denen Hermans unermüdlich an seinem Projekt werkelte. „Sie können es sich nicht vorstellen, aber am schwierigsten war es, das passende Fell zu finden“, sagt er. Die meisten Proben hielten einem Härtetest nicht stand. Noch immer sind allerhand technische Probleme zu lösen. So kann sich Probo nicht richtig bewegen, mit seinen 83 Zentimetern wurde er größer als geplant. Obwohl sich die Unternehmen Microsoft und Siemens an dem Projekt beteiligen, wird das Geld knapp. Doch die Mühe lohnt sich, ist Hermans überzeugt - Probo wird ein wahres Wunderwerk.

Sieben Regungen, digital gesteuert

Kameras werden seine Augen ersetzen, und er wird ausgestattet mit Programmen, die Gesichtsausdrücke und Regungen lesen, die Tonhöhe und –lage erkennen und Gefühle der Patienten interpretieren können. Mehr noch: Probo soll auch reagieren, er wird lachen, überrascht sein, müde oder wütend – sieben Regungen sollen sich auf seinem Gesicht wiederspiegeln. Auch reden kann er. „Allerdings wird es keine richtige Sprache sein, eher eine Kombination aus Lauten“, erklärt Hermans – so ähnlich wie bei den Teletubbies in der Fernsehserie.

Ein niedlicher Rolls Royce

Vorerst gibt es zwar nur den Prototyp, doch langfristig sollen nach Hermans Vorstellung sämtliche Krankenhäuser in der EU mit Schmuse-Robotern ausgestattet werden – ein teures Unterfangen, wie er einräumt. Schließlich kostet schon einer allein rund 100.000 Euro. „Probo sieht zwar wie ein Spielzeug aus“, sagt der Belgier mit einem Lächeln. „In Wirklichkeit aber ist er ein Rolls Royce.“

Mit dem Thema "Roboter im Klinik- und Pflegeeinsatz" wird auch in andere Staaten heftig experimentiert: In Japan sind Roboter imEinsatz, die Patienten tragen

 
 

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