Ein Ring zum Abschied für Hellmich

Dirk Retzlaff und Thomas Tartemann
Walter Hellmich (re.) mit Bochums Trainer Friedhelm Funkel.
Walter Hellmich (re.) mit Bochums Trainer Friedhelm Funkel.
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg. Walter Hellmich hält sich bereits in seiner zweiten Heimat auf, die Festtage verbringt er traditionell mit seiner Ehefrau Monika im Tessin. Der MSV verabschiedete seinen Präsidenten am Freitag.

Am Freitag stand Walter Hellmich nach der Partie des MSV Duisburg im VIP-Raum noch einmal, vermutlich letztmalig, im Rampenlicht. Der MSV verabschiedete seinen Präsidenten, der zum Jahresende das Zepter an Dieter Steffen übergibt.

Hellmich zierte noch einmal das Titelbild im Stadionheft. „Als ich hier angefangen habe, waren zwei Dinge in Ordnung: der Zeugwart und die Putzfrau“, zitiert ihn das „Zebra-Magazin“. Einer, der bei Hellmichs Amtsantritt vor acht Jahren schon dabei war, verlieh ihm nun am Freitag eine der höchsten Auszeichnungen des MSV. „Vize“ Dietmar Cremer, der ebenfalls von Bord geht, überreichte Hellmich einen wertvollen, goldenen Siegelring, den in der Geschichte des Vereins nur fünf Personen erhalten haben. Geschäftsführer Roland Kentsch und Ehren-Aufsichtsrat Walter Schlenkenbrock dankten dem 66-Jährigen.

„Meilensteine gelegt“

Auch MSV-Trainer Milan Sasic griff zum Mikrofon, bedankte sich „für das Vertrauen in schwierigen Zeiten“ und lobte die gute Zusammenarbeit mit dem Bauunternehmer. Hellmich gingen die Worte sichtlich unter die Haut, mit zittriger Stimme und feuchten Augen räumte er ein: „Ich bin überwältigt. Normalerweise bin ich nicht auf den Mund gefallen.“

Nach einer kurzen Pause ließ Hellmich die Zeit beim MSV Revue passieren. „Ich habe immer versucht, mein Bestes zu geben. Manchmal ist es mir nicht gelungen. Die acht Jahre bei den Zebras haben mir und meiner Familie viel gegeben. Das war keine Arbeit, sondern eine Aufgabe.“

Die Bezeichnung „Patriarch“, die Hellmich in der Öffentlichkeit zuteil wurde, stieß dem Unternehmer sichtlich sauer auf: „Patriarch? Einer muss halt den Kopf hinhalten, das habe ich getan. Was wir aufgebaut haben, das haben wir gemeinschaftlich getan.“ Hellmich sprach von „einer tollen Mannschaft, von einem Klub mit Herz“ und stellte fest: „Das kommt nach außen gar nicht so rüber. Der MSV ist eine geachtete Größe und gehört zum deutschen Fußball. In den letzten acht Jahren haben wir Meilensteine gelegt.“

In Richtung seines Nachfolgers Dieter Steffen meinte Hellmich: „Passen Sie auf, wenn gestritten wird, weil Leute meinen, sich in den Vordergrund zu stellen. Der Einzelne spielt keine Rolle. Nur der MSV zählt.“ Walter Hellmich will auch künftig die Spiele besuchen. „Vor der Zukunft ist mir nicht bange. Wir werden bestehen und kämpfen, müssen aber zusammenhalten.“ Abschließend gab er Milan Sasic alle guten Wünsche mit auf den Weg: „Wir sitzen alle in einem Boot und müssen viel mehr bewegen in der Stadt und der Region.“

Anschließend genoss Hellmich, der zum Abschied einen Blumenstrauß und ein rot-weißes Gemälde von der Deutschen Fußball-Liga erhielt, das Bad in der Menge, aus der zwischenzeitlich vereinzelte „Walter-Hellmich-Rufe“ zu hören waren. Diese Zeiten waren bei den Fans im Stadion lange vorbei. Für die Zuschauer ging am Freitag Hellmichs Abschied geräuschlos über die Bühne.