Ein Qualitätsmodell für St. Anna

Im Alten- und Plflegeheim St. Anna wird jetzt das „Ergebnisorientierte Qualitätsmodell Münster“ (EQ MS) praktiziert. Auf unserem Foto von Tanja Jashari, Andrea Gellenbeck und Markus Grasnick (v.l.).
Im Alten- und Plflegeheim St. Anna wird jetzt das „Ergebnisorientierte Qualitätsmodell Münster“ (EQ MS) praktiziert. Auf unserem Foto von Tanja Jashari, Andrea Gellenbeck und Markus Grasnick (v.l.).
Foto: WAZ FotoPool

Dorsten.. Als vor zwei Jahren Einrichtungen der Altenhilfe durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen bewertet wurden und die Noten ins Internet gestellt wurden, hagelte es Protest seitens der Träger. Seither ist der sogenannte „Pflege-TÜV“ umstritten. Vierzig Einrichtungen in der Diözese Münster stellen dem nun eine alternative Erhebung gegenüber. Auch das Pflegeheim St. Anna beteiligt sich am „Ergebnisorientierten Qualitätsmodell Münster“ (EQMS).

„Entscheidend ist doch, wie es dem Bewohner geht. Er soll dabei stärker in den Vordergrund rücken“, erklärt Jürgen Bernhardt, Leiter des St. Anna, das vom Bielefelder Institut für Pflegewissenschaft (IPW) und dem Kölner Institut für Sozialforschung (ISG) erarbeitete Verfahren.

Zentraler Bestandteil ist dabei ein Austausch zwischen den Mitarbeitern der beteiligten Häuser, die in Regionalgruppen in Verbindung treten. Die Dorstener werden im März ein Haus im niederrheinischen Kerken kennenlernen. „Dabei werden wir nicht die Pflege neu erfinden, aber das wird sicher spannend“, erwartet Pflegedienstleiterin Marianne Pawlitzki.

Befragungen unter den Bewohnern werden sie anhand von Bögen durchführen, die das IPW erarbeitet hat und später auswertet. Das sei auch bei hochbetagten und zum Teil dementen Bewohnern möglich, ist Pawlitzki überzeugt. „Da hat sich viel geändert. Die Menschen der Kriegsgeneration waren überaus bescheiden. Jene, die jetzt zu uns kommen, können und wollen ihre Wünsche und Kritik sehr klar äußern.“ Die Ansprüche der Menschen seien bestimmt durch ihre Biografie, erklärt Monika Baumann, Qualitätsbeauftragte in St. Anna. „Sie sind deshalb im Ruhrgebiet oft sehr von denen im ländlichen Raum.“

Über den Tellerrand schauen, von den Erfahrungen anderer profitieren, das verspricht sich Jürgen Bernhardt von dem Projekt: „Man findet seine Position auch durch den Vergleich mit anderen.“

Dabei: Auch gegen Bewertungen des Medizinischen Dienstes, die Transparenz zum Ziel hatte für Außenstehende, hat auch in St. Anna niemand grundsätzliche Vorbehalte. Die Kritik gründet sich, hier wie in vielen anderen Häusern, auf den Prüfungsablauf: Zu einseitig sei der Schwerpunkt auf die Dokumentation der Pflege gelegt worden,

Stichproben seien einfach auf die Gesamtsituation hochgerechnet worden. „Die persönliche in Augenscheinnahme, die haben nicht nur wir vermisst“, sagt Pflegedienstleiterin Marianne Pawlitzki. Auch hätten starke regionale Abweichungen in der Benotung darauf schließen lassen, dass von den Prüfern des medizinischen Dienstes mit zweierlei Maß gemessen wurde.

Auch für St. Anna gab es keine Bestnoten. „Das hat die Häuser, besonders aber die Mitarbeiter getroffen“, sagt Marianne Pawlitzki. Aber: Noten wie Kritik blieben nicht ohne Folgen, auf beiden Seiten. Zuletzt im Dezember habe das Haus eine „sehr qualifizierte Prüfung erlebt, die den Bewohner stärker in den Vordergrund stellt.“

Dass St. Anna besser werden müsse bei der Dokumentation der Arbeit, sei erkannt, sagt Monika Baumann. Ein schmaler Grat: „Dokumentation muss sein. Doch die Verwaltungszeit geht zu Lasten der Bewohner. Das System muss mit der Praxis zusammenpassen.“

 
 

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