Ein neues Leben in der Fremde

Katja Burgemeister
Der Schirmherr und Generalkonsul der Republik Türkei, Dr. Hakan Akbulut.
Der Schirmherr und Generalkonsul der Republik Türkei, Dr. Hakan Akbulut.
Foto: Dietmar Wäsche

Oberaden. . Ein Kichern können sie nicht unterdrücken, als sie die alten Fotos sehen. „In so einem Haus haben wir auch gewohnt“, erzählen sich die beiden türkischen Frauen vor der Vitrine im Stadtmuseum. Die ganze Familie am mit Speisen prall gefüllten Tisch. Aufnahmen vom ersten Auto. Darunter erinnern knallrote Schuhe an die ersten erfüllten Träume.

Tradition und neue Welt, Heimat und Fremde: Sie stoßen nicht nur in den Vitrinen der Ausstellung „Merhaba – Hallo“ im Leben der türkischen Gastarbeiterfamilien aufeinander. „Unsere Männer leben seit 46 Jahren hier. Unsere Kinder und Enkel sind hier aufgewachsen. Deutschland ist unsere Heimat aber auch die Türkei, wo wir wiederum die Deutschen und auch wieder Fremde sind“, diskutieren die Frauen vor den Ausstellungsstücken.

Genau das will die Ausstellung erreichen. Die Auseinandersetzung mit ehemals heiß begehrten Arbeitskräften, die auch 50 Jahre nach der Unterzeichnung des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei noch immer um Integration ringen. Deshalb hat Dr. Hakan Akbulut, Generalkonsul der Türkei und Schirmherr der Ausstellung, ein Duplikat der Urkunde als Geschenk mitgebracht. Weil „ein gemeinsames Zusammenleben unser Bemühen sein sollte, nicht das Betrachten von Parallelgesellschaften“. Chancengleichheit und politische Partizipation der türkischen Mitbürger brauche es, um ein weiteres Auseinanderdriften zu verhindern. Denn: „Sie sind gekommen mit dem Gedanken, nach ein paar Jahren wieder zurückzukehren“, erinnerte Akbulut. „Inzwischen sind sie längst ein Teil Deutschlands geworden.“

Deshalb ist die Ausstellung vielleicht ein Anfang von dem, was sich Akbulut als „Kampagne für ein besseres Kennenlernen und Verständnis“ wünscht. Für den Beigeordneten Bernd Wenske kommt die Ausstellung „zum richtigen Zeitpunkt“. Sie hält die Folgen einer Entwicklung vor Augen, die in Bergkamen im Bergbau und in der Montanindustrie begann, lange bevor die Stadt zur Stadt wurde. Heute haben fast 20 % der mehr als 50 000 Einwohner türkische Wurzeln. Höchste Zeit also, dass „Schlaglichter mit hoher Integrationskraft“ aufleuchten.

Die zahlreichen Gäste fanden nur mühsam Platz zur Ausstellungseröffnung. Es scheint, als sei immer mehr Menschen klar, „dass die Integration vieler Gastarbeiter eine große Lebensleistung ist“, für die Diplome und Ehrenurkunden kleine aber wichtige Schlaglichter sind. Dass dazu Tanz von türkischen Schülern des Gymnasiums, türkische Musik von der Gruppe „Alla Turka“ und von Mehmet Daglar von der Musikschule sowie türkische Gaumenfreuden gehören, versteht sich von selbst.