Sonsfeld. Wer Wolfgang Huying in seinem herrschaftlichen Anwesen im Halderner Wald antrifft, kommt nicht auf die Idee, dass der Unternehmensberater gerade als Kandidat für die Piratenpartei im Nordkreis Kleve nominiert wurde.
Der 50-Jährige ist in Rees kein Unbekannter. Nach seinem Abitur absolvierte er eine kaufmännische Ausbildung und übernahm 22-jährig das Nissan-Autohaus in Rees. Nach dessen Verkauf führte er das elterliche Autohaus in Wesel. „Schon als junger Mann war ich politisch interessiert, habe mehrfach überlegt, der Jungen Union beizutreten.“
Politische Heimat gefunden
Doch im Laufe der Zeit habe sich bei ihm eine Politikverdrossenheit eingestellt. „Ich habe meinen vier Kindern immer gepredigt, dass wählen zu dürfen, das höchste Gut ist. Doch – was sollen sie wählen?“ Als er von der Gründung der Piraten erfuhr, wurde er aufmerksam. „Plötzlich sprach jemand das aus, was ich mir immer schon vorgestellt habe: Basisdemokratie!“
Derzeit hat die Partei 60 Mitglieder im Kreis Kleve, etwa 3700 in NRW. „Mit der Auflösung des Landtags können wir jetzt durchstarten und uns bekannt machen!“, ist Wolfgang Huying motiviert und hat bereits ein 23-köpfiges Team gefunden, das ihn im Wahlkampf unterstützt.
Seinen 50. Geburtstag am vergangenen Sonntag hat der Neupolitiker auf dem Parteitag in Münster verbracht – und hier erfahren, wie Basisdemokratie funktioniert. „Bei einer Parteiversammlung kann jederzeit formlos ein Antrag eingebracht werden. Jeder hat ein Rederecht, egal ob er der Partei angehört oder nicht. Nachdem er den Antrag zu einem bestimmten Thema vorgetragen hat, wird ein Meinungsbild von der Versammlung eingeholt. Wird dieses positiv beschieden, wird der Antrag schriftlich formuliert und eingereicht. Es kann sofort darüber abgestimmt werden.“
Bei den Piraten soll es keine Missfallensbekundung geben, vielmehr sollen Gesprächsrunden Klarheit bringen. „Toleranz und Respekt wird von uns gelebt“, so Huying. „Wir haben keine Antworten auf alles. Aber es wird spannend sein, einer neuen Partei ein Profil zu geben.“ Daher ist es schwer, die Piraten politisch einzuordnen. „Wir haben keine Ideologie, sondern vertreten zu den jeweiligen Themen unsere Meinung.“ Das kann durchaus Regierungskonform ausfallen. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen alles. Jetzt müssen wir uns als Realpolitiker beweisen“. Was sie auf keinen Fall wollen: ideologisch unterwandert werden. Denn für viele sind sie ein politisches Sammelbecken.
„Wir wollen Transparenz in der Politik, was auch den Kontostand der Piraten betrifft.“ Und noch etwas ist für ihn wichtig: „Wir heißen Piraten, sind es aber nicht!“
Natürlich ist die Betuwe auch für Wolfgang Huying ein Thema. Lokalpolitisch sieht der Pirat derzeit keinen Handlungsbedarf. Seine Wurzeln sind liberal-konservativ und daran wird sich auch ideologisch nichts ändern. „Aber wir werden vom Staat überreglementiert. Wir wünschen uns mehr Eigenverantwortung. Und da gibt es gesellschaftlichen Nachholbedarf.“