Ein guter Freund der Künstler

Rees.. Der heutige Tag ist ein ganz besonderer für Georg Maria Roers. Nach 26 Jahren ist der Jesuitenpater erstmals Heiligabend daheim.

In seinem Elternhaus an der Fallstraße. Zehn Jahre war der 51-jährige Reeser als Künstlerseelsorger in München tätig, zudem seit 2004 Rektor der berühmten Asamkirche in der Sendlinger Straße. Bevor er im kommenden Jahr eine neue Aufgabe im Ausland übernimmt, heißt es für den Priester inne zu halten, auch den Niederrhein mit seiner Schönheit wiederentdecken.

„Wenn ich hier in meiner Heimat über den Deich schaue, sehe ich drei Viertel Himmel und ein Viertel Erde vor mir. So liegt die Neigung zu himmlischen Mächten nahe.“ Zuhause wird er Erinnerungen mit seiner Mutter und den Geschwistern, auch denen die aus der Ferne angereist sind, austauschen, aber auch seinen Mentor und ehemaligen Lehrer Franz-Joseph van der Grinten wiedersehen.

Georg Maria Roers hat die Reeser Realschule besucht, dann sein Abitur auf der Gaesdonck abgelegt. Musikalisch vorgebildet, „wir haben alle in der Familie ein Instrument gelernt, ich spiele beispielsweise Kontrabass“, wurde er auf der Gaesdonck intensiv an die bildende Kunst herangeführt. Dank van der Grinten lernte er Beuys verstehen und lieben.

Nach dem Abitur in den Orden eingetreten

Ungewöhnlich für einen jungen Mann trat nach dem Abitur in den Jesuitenorden ein, studierte Theologie, Philosophie, Germanistik, Kunstwissenschaften und Ästhetik in München, Frankfurt, Berlin und Linz. Im Jahr 1998 wurde er zum Priester geweiht, 2002 ernannte ihn Friedrich Kardinal Wetter zum Künstlerseelsorger.

Es war eine spannende Zeit für Roers in München, als Seelsorger Künstlern mit geistlichem Rat aber auch praktischer Unterstützung beizustehen. Sie in ihrer Arbeit zu bestärken, ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, ihre Kunst zu präsentieren, auch vor Fehlentscheidungen zu bewahren. Sein Erfolg, so wird ihm vielerorts bescheinigt, beruht auf seinem Sachverstand, seiner Authentizität. Er wird gerufen, wenn der Verdacht der Blasphemie entsteht, sei es in einem Kunstwerk oder auf einem Theaterplakat. Seine Meinung zählt keineswegs nur in der sakralen Kunstszene. So überreichte er Johannes Heesters zu seinem 100. Geburtstag einen Brief von Kardinal Wetter. „Heesters wollte Priester werden“, weiß Roers. Als Ehrenmitglied des Hauses der Kunst in München pflegte er einen engen Kontakt zu dessen ehemaligem Leiter Chris Dercon, der an die renommierte Tate Modern nach London wechselt, der Roers in dieser Woche einen Besuch abstattete.

Er wäre ein schlechter Künstlerseelsorger, wenn er Namen von Prominenten nennen würde. Bis auf diejenigen, die er in seinen Publikationen zum Aschermittwoch der Künstler herausgegeben hat. Hier wird eine Rede von Jutta Speidel veröffentlicht ebenso wie die „Ansprache des Papstes Benedikt XVI., Erzbischofs Reinhard Marx‘ und Georg Maria Roers’ – in dieser Reihenfolge“, lacht der Jesuit.

Aschermittwoch der Künstler

Großartige Zusammenkünfte hat der Reeser in München initiiert, bewegend die Aschermittwochsgottesdienste der Künstler mit Kent Nagano, dem Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, die auch im Bayerischen Rundfunk übertragen wurden.

Pater Roers hat nicht nur die Großen betreut. „Es gibt viele bildende Künstler, die mit 12000 Euro im Jahr auskommen müssen. Sie leben in Armut.“ Auch ihnen gilt seine Aufmerksamkeit als Seelsorger. „Wir Priester müssen heute Zeit finden, den Menschen zuzuhören.“

Beistand für Opfern von Kindesmissbrauch

Georg Maria Roers war auch am Aloisiuskolleg in Bad Godesberg tätig war, ein Jesuiteninternat, das wegen Missbrauch ins Gerede kam. Er war es, der den Schauspieler Miguel Abrantes Ostrowski zuriet, mit dessen Missbraucherfahrungen an die Öffentlichkeit zu gehen. „Ich habe ihn gecoacht, ihn in dieser schweren Zeit begleitet. Es war damals genau das Richtige, an die Öffentlichkeit zu gehen!“, sagt der Pater, was ihm damals nicht die uneingeschränkte Zustimmung einiger Glaubensbrüder einbrachte. „Wir müssen aber beachten, dass nur zwei Prozent der Täter im kirchlichen Bereich zu suchen sind. 98 Prozent der Missbrauchsfälle geschehen in Familien. Kindesmissbrauch ist ein soziales Problem. Wenn in der Familie der Kreis zu klein wird, sich das Leben nur in der Wohnung abspielt, gerät es außer Kontrolle.“

Der Jesuitenpater ist ein Lyriker, frech, witzig, melancholisch, heimatverbunden, tiefreligiös.

Die Gedichtsammlung „Wo sind wir auf der Strecke geblieben“ zeigt, so ist im Vorwort zu lesen, dass Poesie und Religion aus einem Holz geschnitzt sind. In der literarischen Broschüre „Bildrauschen“, mit einem Nachwort des Dichters Said, kommt sogar der Reeser Verkehrsverschönerungsverein vor.

Roers publiziert vielerorts, schreibt für Zeitschriften, produziert CDs und DVDs, wirkt bei Filmproduktionen mit und beschäftigt sich derzeit intensiv mit dem Poeten Gerard Manley Hopkins, auf dessen Spuren er gerade in Wales unterwegs war, im Rahmen seiner Sabbatzeit. Und dessen Sonette ihm als Vorbild gelten. In dieser Gedichtsform schreibt er frisch vom Advent.

Fest im Glauben verankert

Seine Exerzitien in Wales haben ihm wieder einmal gezeigt, dass sein Glaube ihn bis heute getragen hat. „Immer mehr Menschen suchen diese Auszeit, um zu sich zu finden. Sie sehnen sich nach Spiritualität“, was der Priester als gutes Zeichen wertet. „Unsere Heilsgeschichte ist auch die Geschichte Jesu. Jeder ist aufgerufen, seinen eigenen Weg mit Gott zu gehen. Mich verbindet mit Jesus eine tiefe Freundschaft.“

Heimgekommen in Rees wird heute wie damals nach der Christmette in Mariä Himmelfahrt das Festessen auf den Tisch kommen, „vielleicht wie früher Kaninchen. Und dann wird die Flasche Rotwein aufgemacht.“ Und vielleicht ein Gedicht aufgesagt.

 
 

EURE FAVORITEN