Ein Falkner für kranke Greifvögel

Kranke Greifvögel können sich in der Auffangstation auf der Ökologiestation erholen.                Foto: Franz Luthe
Kranke Greifvögel können sich in der Auffangstation auf der Ökologiestation erholen. Foto: Franz Luthe
Foto: WR/Franz Luthe

Rünthe. Ein neues Quartier für verletzte Greifvögel entsteht zur Zeit auf dem Gelände der Ökologiestation des Kreises in Heil. Die ehemalige Auffangstation muss dem neuen Gästehaus weichen. Doch schon bald sollen kranke Falken, Bussarde und Co. in einem neuen Quartier wieder in Ruhe aufgepäppelt werden können.

Falkner Guido Dreier nimmt sich seit 1984 der kranken Greifvögel an und betreut zur Zeit eben auch mal Habicht oder Eule bei sich Zuhause. Solange, bis das Ausweichquartier wieder eingerichtet ist. Im Schnitt bis zu 30 Greifvögel betreut Guido Dreier pro Jahr, pflegt und füttert die kranken Tiere und wildert sie nach ihrer Genesung wieder aus. Alles ehrenamtlich und aus Liebe zu den gefiederten Gesellen.

Patienten bleiben für Besucher unsichtbar

„Zu Stoßzeiten, etwa im Frühsommer oder im Herbst, erhalte ich drei bis vier Anrufe pro Tag, dass es wieder einen Pechvogel gibt, um den ich mich kümmern muss“, erzählt Guido Dreier. Im Frühsommer fliegen gerade die Jungvögel aus und im Herbst ist Zuchtzeit. Viele Vögel kommen einfach nicht mit den technischen Errungenschaften der Neuzeit klar, fliegen gegen Leitungen und stürzen dann ab oder werden an Bahngleisen vom Sog der Züge mitgerissen. „Ein Bussard deckt seinen Mittagstisch gerne direkt auf der Autobahn und gerät so schnell mal unter die Räder“, weiß Guido Dreier. Er nimmt die verletzten Tiere in seine Obhut. Das ist mitunter sehr aufwendig und zeitintensiv. Wenn es Jungtiere sind, verlangen sie alle zwei bis drei Stunden nach einer Mahlzeit. Unterstützung erhält Guido Dreier von einem ehemaligen Zivildienstleistenden an der Ökostation. Auf der Speisekarte stehen Kaninchen, Wildtauben oder Futterküken. „Kranke Greifvögel brauchen ihre Ruhe, und je mehr sie abgeschottet werden, umso besser“, weiß der Falkner. „Sonst toben sie nur herum und verletzten sich.“ Deshalb werden die Patienten der neuen Auffangstation für Außenstehende auch niemals sichtbar sein – selbst wenn im Rahmen neuer Pläne rund um die Ökologiestation Besucher die Möglichkeit erhalten sollen, sich intensiver über die heimischen Greifvögel zu informieren.„Unsere tierischen Patienten sind nicht zum Angucken und Anfassen,“ betonte Klaus Klinger, Leiter der Biologischen Station. Sind sie erst wieder gesund, so werden sie auf schnellstem Wege ausgewildert. Die Einrichtung der Krankenstation fußt auf Guido Dreiers unermüdlichem Einsatz für die gehandicapten Greifvögel. Dabei entdeckte der Rünther seine Liebe zu den Greifvögeln eher durch Zufall. Zunächst züchtete er Kanarien- und Waldvögel, irgendwann brachte ihm ein Bekannter einen Turmfalken. Den fand Dreier so faszinierend, dass er eine professionelle Falknerausbildung absolvierte und seit 1984 Hüter der kranken Greifvögel ist. Zuhause in Rünthe hat ein zwölf Jahre alter Rotschwanzbussard seinen festen Wohnsitz: „Mit ihm zu jagen ist für mich die ursprünglichste Form der Jagd, vollkommen geräuschlos,“ sagt Guido Dreier. Immer mit dabei: Der Hund als Spürnase. Alle drei zusammen sind ein eingespieltes Team und gerne gemeinsam unterwegs – wenn nicht gerade wieder ein neuer Zögling betreut werden muss.

 
 

EURE FAVORITEN