Ein Bankkonto für jeden EU-Bürger

Beratung in der Bank: Bislang bekommt nicht jeder ein Konto. Die EU-Kommission will das ändern.
Beratung in der Bank: Bislang bekommt nicht jeder ein Konto. Die EU-Kommission will das ändern.
Wer kein Konto hat, kann keine Rechnungen per Dauerauftrag bezahlen und kein Gehalt überwiesen bekommen. Die EU-Kommission will dafür sorgen, dass dieses Problem gelöst wird: Jeder EU-Bürger soll das Recht auf ein Bankkonto bekommen.

Brüssel.. In Europa soll bald jeder Erwachsene problemlos ein einfaches Bankkonto eröffnen können. Das strebt die EU-Kommission an. Zu so einem Basiskonto gehöre eine Geldkarte, aber nicht das Recht, es zu überziehen, teilte die EU-Behörde am Montag in Brüssel mit. Nun müssten die EU-Staaten dafür sorgen, dass die Bankbranche Bürgern Basiskonten zu „angemessenen Kosten“ zur Verfügung stelle.

In Europa besitzen sieben Prozent der Verbraucher kein eigenes Konto – also etwa 30 Millionen Erwachsene. Sechs bis sieben Millionen von ihnen dürften die Banken laut Schätzungen ein Konto verweigert haben. Ihr Alltagsleben sei daher „schwierig und teuer“, so die EU-Kommission. Diese Menschen könnten weder monatliche Rechnungen per Dauerauftrag bezahlen noch ihr Gehalt auf ein Konto überwiesen bekommen.

Nur jeder zweite Bulgare ein Konto

In Finnland und Dänemark besitzt jeder Erwachsene nach EU-Angaben ein Bankkonto. In Deutschland sind es – wie in Österreich, Belgien, Schwedens oder Frankreich 99 Prozent. In Bulgarien haben lediglich 49 Prozent ein Konto und in Rumänien 53 Prozent.

Banken verwehren jemandem ein Konto aus mehreren Gründen. Manche Institute verlangten Einkommensnachweise oder einen Wohnort im betreffenden Land. Manchmal missfalle ihnen die Kredit-Vorgeschichte desjenigen, der ein Konto eröffnen wolle. Auch die Erwachsenen, die zeitweise im EU-Ausland leben – als Rentner, um zu studieren oder zu arbeiten -, hätten oft Schwierigkeiten, dort ein Konto zu bekommen.

Basiskonten sollen innereuropäischen Handel stützen

Die europäischen Staaten sollen binnen sechs Monaten bestimmen, wie ein solches Basiskonto in ihrem Land aussehen könnte. Sie sollen festlegen, wie hoch die Kontoführungsgebühren maximal sein dürfen. Die EU-Kommission prüft nach einem Jahr die Fortschritte bei Basiskonten. Ist sie dann nicht zufrieden, will sie den Ländern verbindliche Gesetzesvorgaben machen.

Die EU-Kommission möchte mit ihren Konto-Vorschlägen den innereuropäischen Handel stärken. „Der Zugang zu einem Basiskonto ist eine der Prioritäten unseres Binnenmarkt-Gesetzes“, sagte der zuständige EU-Kommissar Michel Barnier. Banken sollten aber unterbinden, dass Konten eventuell zur Geldwäsche oder zur Terrorismus-Finanzierung dienten.

 
 

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