E 10: Grenzenlose Verunsicherung

Als Tankstellenpächter und Kfz-Meister muss sich Peter Zeppenfeld aus Olpe gleich in doppelter Funktion mit dem Thema E 10 beschäftigen.
Als Tankstellenpächter und Kfz-Meister muss sich Peter Zeppenfeld aus Olpe gleich in doppelter Funktion mit dem Thema E 10 beschäftigen.
Foto: WP

Kreis Olpe. Gipfel hin, Gipfel her - in Sachen Biosprit E 10 herrscht eine grenzenlose Verunsicherung - auch im Kreis Olpe. Wir sprachen mit Kfz-Meistern und Tankstellenpächtern über das Thema und erhielten überwiegend ähnlich lautende Meinungen: Höchste Vorsicht ist geboten - und nur eines ist sicher - dass nichts sicher ist.

Tankstellen-Urgestein Peter Zeppenfeld aus Olpe, gleichzeitig Kfz-Meister, gibt der Politik die Hauptschuld: „Die Regierung hat es sich leicht gemacht und möchte jetzt nicht zugeben, dass das scheitert. Ich glaube, dass in einigen Jahren etliche Prozesse wegen Folgeschäden geführt werden.“ Er werde jedenfalls niemand irgendeine Garantie dafür geben, dass E10 Autos nicht schade: „Ich denke, dass der Biosprit schlechter verbrennt, und mir kann keiner erzählen, dass ein Motor damit genau so lange hält.“

Auch Kfz-Meister Tonis Löhr (Renault/Dacia Olpe), stellv. Obermeister der Kfz-Innung, warnt eindringlich: „Da herrscht noch ein heilloses Durcheinander. Ich bin sehr skeptisch. Jedem Kunden, der hier reinkommt und danach fragt, sagen wir: Nach Werksangabe ,Ja’, Garantie ,Nein’.“ Derzeit könne niemand sagen, ob durch den erhöhten Ethanolgehalt nicht Dichtungen und Schläuche angegriffen und Motorschäden ausgelöst würden. Löhr: „Das passiert dann nach drei oder vier Jahren, meist außerhalb der Garantiezeit.“ Auch Löhr wies daraufhin, dass sich der Benzinverbrauch vermutlich leicht erhöhen werde. Sein Fazit: „Ich kann es nicht empfehlen.“

Sein Kollege Bernd Viedenz (Ford Weil/Olpe), ebenfalls mehr als vier Jahrzehnte im Geschäft und Vorstandskollege in der Kfz-Innung, war etwas weniger kritisch eingestellt: „Für meine Begriffe wird das viel zu hoch gehängt. Die Problematik kann ich so nicht erkennen.“ Es handle sich ja nur um eine stärkere Verdünnung. Aus Sicht des Technikers wies Viedenz aber daraufhin: „Ich würde das nur strikt ablehnen bei Fahrzeugen, die Zylinderköpfe ohne gehärtete Ventilsätze haben. Das dürften aber nur Fahrzeuge sein, die so vor den Jahren 1995/1996 gebaut worden sind.“ Eine absolute Sicherheit, so Viedenz, gebe es natürlich nicht: „Die Praxis muss das zeigen.“ Die Rechnung zahle im Negativ-Fall vermutlich der Kunde.

Tankstellenpächter Peter Mettler (OIL/Meggen) rechnet damit, dass der neue E10-Sprit in den nächsten Tagen eintreffen werde: „Die Etiketten sind schon dran, die Säulen umgerüstet.“ Eine verbindliche Auskunft über die Qualität des ,E10’ lehnte er ebenfalls ab: „Wir werden die Kunden auf ihre Werkstätte oder das Internet verweisen.“ In den nächsten Tagen erwarte man DAT-Listen (Deutsche Automobil Treuhand), mit denen man darüber hinaus informieren könne. Ob E10 allerdings tatsächlich den Motoren nicht schade, wenn die Autos ab Werk eine Freigabe erhielten, so Mettler, „wird sich erst in ein paar Jahren herausstellen.“

Sehr vorsichtig äußerte sich auch Pächterin Marita Böhland (ARAL/Attendorn): „Zur Qualität des Sprits kann ich gar nichts sagen. Wir hören von unseren Kunden derzeit allerdings, dass sie den E10 nicht haben wollen.“ An ihren Zapfsäulen, so Böhland, werde es den E10-Treibstoff wohl ab der 13. Kalenderwoche (28. März) geben. Sie selbst könne den E10 bei ihrem Fünfer-BMW jedenfalls nicht fahren.

Den gleichen Zeitraum nannte auch Martin Wiegel (Knauber/Olpe): „Wir kriegen E10 wohl Ende März. Die Kunden sind völlig verunsichert. Das fängt schon an bei der Frage an, ob der neue Sprit für den Rasenmäher oder die Kettensäge taugt.“ Die Mehrheit der Kunden kenne sich kaum aus. Er selbst könne mit seinen ein Jahr alten Autos (Renault Kangoo/Skoda Fabia) E10 fahren, dass aber höhere Folgekosten wie beispielsweise häufigerer Ölwechsel auf ihn zukämen, sei wohl wahrscheinlich.

 
 

EURE FAVORITEN