„DSDS“ steht jetzt für „Deutschland sucht die Stripmaus“

Die Juroren Dieter Bohlen, Fernanda Brandao und Patrick Nuo. Ersterer beweist Vielseitigkeit beim Einsatz des Wortes „geil“. Immerhin. Foto: Roberto Pfeil/dapd
Die Juroren Dieter Bohlen, Fernanda Brandao und Patrick Nuo. Ersterer beweist Vielseitigkeit beim Einsatz des Wortes „geil“. Immerhin. Foto: Roberto Pfeil/dapd
Foto: dapd/Roberto Pfeil
Meistverwendetes Wort: „geil“. Zweitmeistverwendetes: „Hühnerkacke“.

Essen.. “Geil” – Schlägt man dieses schöne Wort in einem Wörterbuch nach, findet sich Folgendes: 1. kräftig, üppig (Pflanze) 2. lüstern, geschlechtlich erregt 3. Jugendsprache: großartig, toll.

Wenn man jedoch die vermeintliche Musiksendung “Deutschland sucht den Superstar” guckt, muss man noch folgende Definition hinzufügen: 4. Wort, das Dieter Bohlen für jede Leistung verwendet, die nicht abgrundtief schlecht ist. Gerne kombiniert der “Pop-Titan” das Wort auch noch mit “hammer-”, “mega-”, “über-” und – besonders schön – “utopisch-”.

Wogende Hintern und tiefe Ausschnitte im Überfluss

“Utopisch-geil” war die die Recall-Sendung von DSDS am Samstagabend jedoch auf keinen Fall. Am Anfang hatte der Zuschauer noch den Eindruck, dass das zweite “S” im Sendungstitel nicht mehr für “Superstar”, sondern für “Stripmaus” stehe. Ein Überangebot an wogenden Hinterteilen, tiefen Ausschnitten, eingeölten Beinen und bauchfreien Oberteilen sollte wohl die “lüstern, geschlechtlich erregt”-Definition des Bohl’schen Lieblingswortes abdecken.

Doch RTL wäre nicht RTL, wenn man ausschließlich auf die Erotik-Schiene setzte. Deswegen zeigte der Kölner Sender auch noch einen Einspieler über ein verdrecktes Klo auf einem der Mädchenzimmer. Das erfolgsbewährte Dschungelcamp-Ekelprinzip wurde also konsequent auf den Casting-Dauerbrenner angewandt.

Dass daneben auch noch ein wenig musiziert wurde, gerät fast in Vergessenheit. Doch auch RTL sieht die Musik wohl nicht mehr als den wichtigsten Teil der Sendung. Anders lässt es sich nicht erklären, warum jede noch so kleine Zickerei zwischen den Kandidaten einen sehr ausgiebigen Einspieler bekommt, während die Duette am Ende der Sendung teilweise auf ein paar Sekunden zusammengeschnitten wurden. Dabei gibt es durchaus ein paar gesangliche Talente: der etwas hemdsärmelig wirkende Marvin beispielsweise, der “Sailing” (Rod Stewart) sehr überzeugend intonierte. Auch Kandidatin Awa gefiel mit ihrer Version von Glashaus’ “Wenn das Liebe ist”.

Sprachliche Redundanz in Höchstform

Bei den anderen Kandidaten war für die Jury die Darbietung wichtiger – oder wie Bohlen es ausdrücken würde: “Performance-mäßig war das der Hammer!”. Besonders beeindruckt zeigte sich das ehemalige “Modern Talking”-Mitglied von Kandidatin Anna-Carina, die sich zu “California Gurls” (Katy Perry) auf dem Jury-Tisch räkelte. “Mega-geil”, sei das gewesen, schenkt man Bohlen Glauben. “Du hast dich besonders geil bewegt, das war wirklich geil.” Bei soviel sprachlicher Redundanz macht man sich unweigerlich Sorgen um den Sprachschatz der Zielgruppe.

Sorgen anderer Art muss man sich wohl auch um Kandidat Christopher machen. Denn er weigerte sich, am Malediven-Strand mit nacktem Oberkörper anzutreten. “Ich möchte kein Surfer-Boy sein, ich möchte einfach nur singen”, sagte er. Eine hehre Einstellung, die dafür sorgen dürfte, dass er im Rennen um den Titel des neuen Kurzzeit-Superstars chancenlos ist.

Für einige der anderen Kandidaten ist der Traum bereits beendet, in die zweifellos großen Fußstapfen von Mehrzad Marashi zu treten: Katharina, Linai, Ricardo und Dominik durften teilweise nicht mal ihren zweiten Auftritt beenden (meist weil ihre Darbietungen laut Bohlen “Hühnerkacke” gewesen sein, nach “geil” das meist-verwendete Wort). Daneben verliess noch Teilnehmer Nils die Sendung auf eigenen Wunsch.

Letzter Recall vor Top-15-Show

Somit verbleiben noch 28 Kandidaten, die in einem letzten Einzelsingen um den Einzug in die Top 15 kämpfen. Hoffentlich lässt man die Teilnehmer in dem finalen Recall sich einfach auf die Musik konzentrieren, anstatt sich überflüssigem Geplänkel zu widmen. Ein frommer Wunsch, aber es wäre wirklich toll. Oder “geil”, um es jugendsprachlich zu sagen.

 
 

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