Drei junge Meister der Debatte

Foto: Henryk Brock

Unna/Osnabrück.. Eigentlich wollten sie nur zugucken – nun sind Yunus Sevinchan (19), Tim Schatto-Eckrodt (18) und Lukas Hornig (15) aus Unna seit Sonntag Norddeutsche Vizemeister im Debattieren.

Angefangen hat alles mit dem Debattierklub am Geschwister-Scholl-Gymnasium, der vor einem Jahr von Yunus und Tim gegründet wurde. Jeden Freitag treffen sie sich dort mit etwa zehn weiteren jungen Leuten, um Themen wie „Sollte das Autofahren an Sonntagen verboten werden?“ oder „Sollte Cannabis legalisiert werden?“ zu verhandeln. Dabei ging es immer hauptsächlich um Spaß, aber natürlich auch darum, freies Sprechen und Rhetorik zu lernen.

„Mit der Zeit sind wir alle immer selbstbewusster geworden, was das Debattieren angeht“, erklärt Lukas Hornig. Er besucht die Jahrgangsstufe 9 des Geschwister-Scholl-Gymnasiums.

Veranstalter hatten zu wenig Teilnehmer

Die Regionalmeisterschaften im Debattieren, an denen meistens Clubs von Hochschulen teilnehmen, finden jedes Jahr in drei verschiedenen deutschen Städten statt. Dabei wird von den teilnehmenden Teams über vorgegebene Themen verhandelt – wer die besseren Argumente findet und die gewandteste Ausdrucksweise mitbringt, gewinnt. Sechs Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums beschlossen also, einfach mal zur norddeutschen Meisterschaft nach Osnabrück zu fahren. Dort könne man sich angucken, wie „die Großen“ debattieren. Ein Team aus drei Schülern meldete sich bereits im Voraus an, um an der Meisterschaft teilzunehmen. Erwartungen hatten sie keine. Außer vielleicht, nicht komplett zu versagen.

„Yunus, Lukas und ich wollten uns primär die Debatten angucken und das Team unserer Schule unterstützen“, erzählt Tim Schatto-Eckrodt, der dieses Jahr sein Abitur macht. „Dann sind die Veranstalter auf uns zugekommen und haben gefragt, ob wir nicht ein zweites Unnaer Team bilden wollen.“

Die Veranstalter hatten nämlich schlicht und einfach zu wenig Teilnehmer. Nur 14 Teams hatten sich zur norddeutschen Meisterschaft angemeldet. 15 hätten es eigentlich sein müssen.

„Wir dachten uns, wir haben ja nichts zu verlieren. Also haben wir uns noch nachträglich angemeldet und teilgenommen.“ Während das erste Unnaer Team in der Vorrunde scheiterte, schafften es die drei Spontaneinsteiger mit einer Menge Gelassenheit ins Halbfinale. Sie debattierten in der Vorrunde über Themen wie „Sollte man dem Partner das eigene Fremdgehen beichten?“ oder „Soll das Wahlrecht für ältere Menschen eingeschränkt werden?“ – und gewannen gegen sämtliche Politik- und Jurastudenten.

„Aus Versehen waren wir im Halbfinale“, lacht Abiturient Yunus Sevinchan. Am Wochenende gab es unter alteingesessenen Debattiergrößen ein Aufheben um die Schülergruppe. Eigentlich wäre es ihnen nämlich nicht erlaubt gewesen, ins Halbfinale zu „breaken“, wie es im Debattantenjargon heißt. Das ist normalerweise Mitgliedern des Verbands der Debattierclubs an Hochschulen vorbehalten. Und trotzdem: Lukas, Tim und Yunus debattierten mit ihren Gegner über das Thema „Soll Artenschutz um seiner selbst Willen nicht mehr Motiv politischen Handelns sein?“ in Grund und Boden.

Wiederholung des Erfolgs geplant

„Dann haben wir erfahren, dass wir auch noch im Finale sind“, erinnern sich die drei Rhetorikkünstler. „Dafür, dass wir erst gar nicht teilnehmen wollten, war diese ganze Sache schon ziemlich überraschend. Es gab da Leute, die seit mehreren Jahren debattieren und ein praktisch abgeschlossenes Studium haben, aber noch nie bei einer Meisterschaft im Halbfinale waren.“

Zum Gewinn der Meisterschaft reichte es dann doch nicht ganz. Eine Gruppe aus Kiel gewann gegen die drei Unnaer Jungs. Aber nächstes Jahr, das haben sich alle fest vorgenommen, wiederholen sie ihre Erfolgsgeschichte. Dann halten sie vielleicht auch die Anmeldefrist des Turniers ein.

EURE FAVORITEN