Drachen tanzen im Spiel der Farben

Kamen - KITE; der Samstag
Kamen - KITE; der Samstag
Foto: Dietmar Wäsche

Kamen..  Er ist gelb, rot und grün und balanciert eine goldene Kugel auf der Zunge im weit aufgerissenen Maul. Auf ihren chinesischen Drachen ist Sissi Layh stolz. „Der kommt aus China“, erzählt sie. Aus dem Land, das sie selbst schon zwei Mal besucht hat und das es ihr angetan hat. Chinesische Drachen baut sie selbst, seit „wir irgendwann im Kindergarten welche gebastelt haben“, erzählt sie lachend. Dieses Prachtstück allerdings hat sie im Internet ersteigert – als Requisit von Werbeaufnahmen.

Seit 1992 kommt Sissy Layh zum Drachenfest „Kite“ nach Kamen. Früher war sie 25 bis 30 Mal im Jahr in ganz Deutschland und darüber hinaus unterwegs. Jetzt schickt sie ihren Wohnwagen, auf dem sich ebenfalls chinesische Drachen schlängeln, seltener auf die Reise. Wie viele chinesische Flugkunstwerke sie schon gebaut hat, „kann ich einfach nicht sagen – es sind zu viele“, meint die Schwelmerin. Besonders haben es ihr die Mini-Drachen angetan. Die kleinen Papiervögel, die dem Ursprung der Drachenkunst entsprechen.

Der Sturzflug bringt den nötigen Schwung

Sören Junker hat sich dagegen der Moderne verschrieben. Mit seinem Buggy hängt er sich seit sieben Jahren an Drachen, die ganz und gar fürs „Kiten“ konstruiert sind. Bis zu 40 km/h schafft er auf dem Teil der Derner Wiese, die für das Tempo reserviert ist.

Einige Meter entfernt springen junge Sportsfreunde auf Boards hinter ihrem Kite durch die Luft. „Man muss den Drachen abstürzen lassen, hält sich im halben Wind und lenkt mit den Füßen“, erklärt er, der demnächst beim 24-Stunden-Rennen in St. Peter Ording dabei sein wird. Da können schon mal 80 km/h auf dem eingebauten Tacho stehen.

Nicht nur sein Seepferdchen hat Reinhold Ritter für „Kite“ aus dem Wohnwagen geholt. Gut 50 Drachen hält er dort bereit für den Ritt am Himmel. Schließlich ist der Lüdenscheider schon von „Anfang an, seit über 20 Jahren“ in Kamen dabei. „Wir sind überall in Deutschland unterwegs – einfach weil es Spaß macht“, meint er, der manche Kettenkonstruktionen auch selbst gebaut hat. Inzwischen ist auch die Tochter mit eigenen 5-er-Konstruktionen mit von der Partie. Tim (10), Noel (8) und Marcel (10) bestaunen die Autos, die im Wind scheinbar über dem Boden rollen, die Quallen, die in den Böen wabern und den Hummer, der am Himmel schwebt.

Dass Drachen mehr sind als Superlative am Himmel und bloße Freude am Tanz im Wind, zeigte einmal mehr das Nachtfliegen. Im Scheinwerferlicht flatterten sie wie Tauben im leider reichlich abgeflauten Wind.

Die Piloten mussten alles aus den Beinen herausholen, um anmutige Kastensysteme am Himmel zu halten und vor dem Absturz zu bewahren. Der Regenschauer hörte dagegen pünktlich zum imposanten Feuerwerk auf, das manchem Drachenschweif mit feurigem Regen und bunten Figuren bedrohlich nah kam.

 
 

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