Diktator Bongo kauft Villa für 100 Millionen Euro

Foto: AFP

Paris..  Die zentralafrikanische Republik Gabun kauft für 100 Millionen Euro ein Stadtpalais - und zwar für seinen Staatschef Ali Bongo. Der Diktator ist einer der reichsten Männer der Welt.

Im erlauchten Kreis des Pariser Jetsets zählt das prachtvolle „Hôtel de Longueuil“ in der schicken „Rue de l’Université“ seit jeher zu den exklusivsten Adressen der Seine-Metropole. In diesen Ta­gen ist das riesige Stadtpalais aus den glanzvollen Tagen des „Ancien Régime“ erneut Stadt­gespräch. Für angeblich 100 Millionen Euro wechselte die Luxus-Immobilie den Be­sitzer. Neuer „Schlossherr“ ist nun ein gewisser Ali Bongo.

Ali wer? Nun, der 51-Jährige ist nicht nur Präsident der zentralafrikanischen Republik Gabun, sondern laut US-Institut „Freedom House“ auch ei­ner der reichsten Männer der Erde. Im letzten Jahr trat er die Nachfolge seines schillernden Vaters Omar an, der das zentralafrikanische Land bis zu seinem Tod rekordverdächtige 41 Jahre regiert und wie ein absoluter Monarch ausgesaugt hat.

Öl für den eigenen Geldbeutel

Anders als seine blutrünstigen Amtskollegen bewahrte der clevere Staatschef sein Land, eine Art Schweiz Afrikas, vor hässlichen Unruhen und Bürgerkriegen. Gleichzeitig verstand er es aber, den sprudelnden Ölreichtum Ga­buns ungezügelt in seinen ei­genen Geldbeutel umzuleiten.

Während Papa Bongo stets dezent den Mantel des Schwei­gens über seine fast schon unanständigen Pariser Großeinkäufe ausbreitete und damit den Zorn der Opposition erregte, propagiert Sohn Ali nun auf bemerkenswert naive Weise „eine neue Offenheit“.

Unaufgefordert ließ der Präsidentenpalast in Libreville die Nachricht vom jüngsten Erwerb einer Pariser Immobilie verbreiten. Nur die schicke Lage am linken Seine-Ufer und den stolzen Kaufpreis hatten sie zu erwähnen vergessen. Von der bewegten Geschichte des überaus geräumigen Hauses (4500 qm Wohnfläche) ganz zu schweigen: Karl La­gerfeld bewohnte in dem Stadtpalais 25 Jahre lang ein feudales Appartement im Erdgeschoss.

Unzählige Privatkonten

Unvergessen die ausgelassene Champagner-Party, bei der „Dom Pérignon“ für den deutschen Modezar die Korken knallen ließ.

Das letzte Ausrufezeichen setzte im vergangenen Oktober die britische Designerin Vivienne Westwood, die ihre Models vor der neoklassischen Kulisse des „Hôtel de Longueil“ auf den Catwalk schickte, zuvor feierte „Eurostar“ dort sein 15-jähriges Be­stehen.

Paris, die vibrierende Haupt­stadt der alten Kolonialmacht, übt auf die frankophonen afrikanischen Eliten traditionell eine magische Anziehungskraft aus. Dutzende Im­mobilien in bester Lage, selbst auf dem Prachtboulevard Champs-Elysées, nennen die steinreichen Bongos in Paris ihr Eigen.

Endlich nicht mehr Hotel

Hinzu kommen un­zählige Privatkonten bei französischen Banken, wie Ermittlungen der französischen Justiz unlängst zu Tage brachten. „Transparency International“ hatte Diktator Bongo 2008 ver­klagt, doch die Untersuchungen der Pariser Justiz verliefen im Sande. Obwohl operettenhaft reich, versucht Ali Bongo, ein kleinwüchsiger und wohlbeleibter Mann, seinem darbenden Volk den aus der Staatsschatulle finanzierten Hauskauf an der Seine als weitsichtige Sparmaßnahme zu verkaufen. Nun brauche er eben nicht mehr in teuren Hotels zu nächtigen, ließ der Staatschef verlauten.

Zur Er­innerung: Vater Omar Bongo pflegte bei seinen zahlreichen Paris-Trips stets im „Meurice“ abzusteigen, ei­nem Grand-Hotel in der Rue de Rivoli, in dem auch gekrönte Häupter ihr Haupt betten. Hier hielt er Hof wie ein Kö­nig, legendär die rauschenden Soireen und Cocktail-Empfänge, bei denen er „Tout Paris“ freihielt.

Die Opposition in Gabun hingegen schäumt. „Ein Skandal“, schimpft Marc Ona Es­sangui von der Organisation „Veröffentlicht-was-ihr-ausgebt“ und fordert eine parlamentarische Untersuchung. Die Kehrseite von Bongos Öl-Milliarden: 80 Prozent der 1,5 Millionen Gabuner leben in bitterer Armut, das Gesundheits- und Bildungssystem ist marode, für Straßenbau ist kein Geld da.

Wunderbarer Garten

Mit Gabuns demokratisch gewähltem Diktator steht aber auch die alte Kolonialmacht am Pranger. „Frankreich ist ein Steuerparadies für Staatschefs, die ihre Völker in Afrika ausplündern“, wettert Essangui.

Dass die Kaufsumme von 100 Millionen Euro das letzte Wort sind, darf übrigens be­zweifelt werden. Ein Nachbar des „Hôtel de Langueuil“ vertraute der Zeitung „Parisien“ an: „Gemessen am Zustand des Hauses ist der Kaufpreis sehr hoch, der Renovierungsbedarf ist groß, immerhin ist der Garten wunderbar.“

 
 

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