Dieter Althaus erfolgreich mit klarem Kurs

Frankfurt/Main. Der seit fünf Jahren regierende thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus mischt maßgeblich in der Bundespolitik mit und gilt als verlässliche Stütze der Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel. Am 30. August 2009 steht die Landtagswahl in dem ostdeutschen Freistaat an.

Der schwere Ski-Unfall in Österreich hat völlig unerwartet ein gesundheitlich bedingtes Fragezeichen in die glänzende Karriere des 50-jährigen ehemaligen Lehrers gesetzt.

«Fitness, Ausdauer und Fairness sind für mich wesentliche Voraussetzungen für eine gute und erfolgreiche politische Arbeit», schreibt Althaus auf seiner Homepage. Seine Frau Katharina und er praktizieren Tauchsport, laufen und wandern gerne, fahren Ski und Mountainbike. Sie haben im Sommer 2008 zusammen mit seinem Fußballteam den höchsten Berg Österreichs bestiegen.

Der Chef der in Erfurt allein regierenden thüringischen CDU profiliert sich gerne mit Eigeninitiativen in der Bundespolitik. Gerade erst hat er einen neuen Vorstoß unternommen: Im «Stern» schlägt er ein «Netto-Plus»-Konzept vor - als Alternative zu Überlegungen der Koalition, den Krankenkassenbeitrag zu senken. Jeder Beschäftigte soll einen Sozialversicherungsbonus von 600 Euro im Jahr erhalten und damit monatlich 50 Euro mehr in der Tasche haben.

Althaus bezieht schnell Position

Althaus bezieht gerne schnell und eindeutig Position, wenn andere CDU-Politiker sich in strittigen Fragen noch bedeckt halten. So sagte er vor kurzem: «Die NPD gehört verboten.» Und er kritisierte scharf den Hamburger Anwalt Roger Kusch und forderte eine Verschärfung des Strafrechts, um die gewerbliche und organisierte Beihilfe zur Selbsttötung unter Strafe zu stellen.

CDU-Chefin Merkel, die ihn 2005 vor der Bundestagswahl in das Kompetenzteam der Union mit Zuständigkeit für den Aufbau Ost berief, kann sich auf Althaus verlassen. Er stärkt ihr in der Auseinandersetzung mit der CSU den Rücken und schreitet auch mäßigend ein. So trat er Scharfmachern entgegen, die für eine Beendigung der Großen Koalition eintraten, falls der SPD in Hessen mit Hilfe der Linken die Regierungsübernahme gelungen wäre.

2004 ein «Zittersieg»

Kein Wunder, dass Althaus auf dem CDU Bundesparteitag in Stuttgart das beste Ergebnis (zusammen mit Wolfgang Schäuble) bei der Wiederwahl ins CDU-Präsidium erhielt.

In der Landespolitik ist er sogar für 100 Prozent gut: Sämtliche Delegierten bestätigten ihn im November als CDU-Landeschef - er amtiert seit acht Jahren - und bestimmten ihn per Akklamation zum Spitzenkandidaten. Althaus führt seine Partei nun zum zweiten Mal in die Landtagswahl. 2004 hatte die CDU mit Althaus einen «Zittersieg» errungen. Sie konnte mit 43 Prozent der Stimmen ihre absolute Mandatsmehrheit knapp verteidigen.

Der Ministerpräsident setzte gegen Widerstände eine eigene Familienpolitik durch: Eltern können wählen, ob sie ein monatliches Betreuungsgeld beziehen oder aber ihren Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz vom zweiten Lebensjahr an wahrnehmen. Bundesweit regte er ein «Bürgergeld» an, wonach jeder Bürger ein Grundeinkommen von 800 Euro im Monat erhielte und Transferleistungen wie Arbeitslosengeld II entfielen.

In wirtschaftlicher Hinsicht entwickelte sich Thüringen neben Sachsen zum «Musterland» unter den ostdeutschen Bundesländern. Mit dem Doppelhaushalt für 2008 und 2009 wurde erstmals ein ausgeglichener Etat verabschiedet.

Von Beruf Lehrer

Althaus ist anders als sein «Ziehvater» Bernhard Vogel ein echter Thüringer. Er wurde am 29. Juni 1958 als Sohn einer katholischen Familie in Heiligenstadt geboren. Ab 1983 arbeitete er als Mathematik- und Physik-Lehrer. Auch seine Frau Katharina ist Lehrerin. Mit ihr hat er zwei Töchter.

1985 schloss er sich der DDR-Blockpartei CDU an, um «den Werbeversuchen für die SED zu entgehen», wie er rückblickend argumentierte.

1989 organisierte er mit etwa 600 Gleichgesinnten die erste Montagsdemonstration in Heiligenstadt. 1990 wurde er Schulrat des Landkreises Heiligenstadt. Er begann seine politische Karriere auf kommunaler Ebene und errang bei der ersten Landtagswahl im Oktober 1990 das Direktmandat. Vogel machte ihn 1992 zum Kultusminister. 1999 übernahm Althaus den Vorsitz der CDU-Fraktion. 2003 löste er Vogel als Ministerpräsident ab.

In die Defensive geriet Althaus bei seiner Regierungsumbildung im Frühjahr 2008. Ihm wurden handwerkliche Fehler und Kommunikationsprobleme angelastet. (ap)

 
 

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