Dieser Brand war für uns ein Schock

Von Lukas Peuckmann
Foto: Lukas Peukmann
Bergkamen.Es war ein Brandanschlag, der Bergkamen in Atem hielt. Vor genau einem Jahr, im Juli, brannte es gleich an mehreren Stellen in der Stadt. Auch die damals im Bau befindliche Moschee der Islamischen Gemeinde Milli Görüs unweit des Bayer-Geländes wurde Opfer des Brandanschlages.

Bergkamen.  Es war ein Brandanschlag, der Bergkamen in Atem hielt. Vor genau einem Jahr, im Juli, brannte es gleich an mehreren Stellen in der Stadt. Auch die damals im Bau befindliche Moschee der Islamischen Gemeinde Milli Görüs unweit des Bayer-Geländes wurde Opfer des Brandanschlages.

Die Motive waren damals vor allem fremdenfeindlich motiviert. Die beiden jungen Täter sind mittlerweile gefasst und verurteilt.

Die Männer schlichen sich damals nachts in den abgeriegelten Rohbau und richteten mit dem gelegten Feuer erheblichen Schaden in der Moschee an. Was ist seitdem passiert? Wie sehr hat der Brandanschlag die Gemeinde in ihren Bauplänen zurückgeworfen? Und konnte die Moschee letztlich doch fertig gestellt werden?

„Dieser Brand war für uns natürlich ein Schock“ erzählt der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde Milli Görüs (IGMG), Isa Altin. „Ich habe damals das Feuer zuerst entdeckt. Als ich morgens die Tür zum Rohbau aufschließen wollte, kam mir schwarzer Rauch entgegen. Die Feuerwehr bestätigte den Brand wenig später. Sie war gerade von der Hubert-Biernat-Straße gekommen, wo es in der Wohnsiedlung in derselben Nacht ja auch gebrannt hat.“

Der Schaden damals war beträchtlich. Die gesamten Innenräume waren verbrannt, die Wände und Decken schwarz vom Ruß und die Fenster gesprungen von der Hitze. „Insgesamt hatten wir einen Schaden von 60.000 Euro“, erzählt Vorstandsmitglied Dede Mehmet, „Unsere Zeitpläne wurden so um fast 8 Monate zurückgeworfen.

Wer heute die Moschee besucht, sieht keine Spuren dieses Brandanschlages mehr. Die Außenfassade war vom Feuer nicht betroffen, aber auch die Gebetsräume innen, in denen das Feuer gelegt wurde, erstrahlen in neuem Glanz. „Wir sind mit unseren Bauarbeiten jetzt gerade und pünktlich zum beginnenden Ramadan, dem Fastenmonat, fertig geworden“ erzählt Isa Altin. Seit dem 20. Juli kommen die Gemeindemitglieder wieder zum gemeinsamen Beten hierher. Und die Gebetsräume laden auch dazu ein. Die Wände sind kunstvoll bemalt, aus der Mitte der Decke ragt eine Kuppel, deren Fenster den Raum in Licht tauchen. Darunter in der Mitte der goldene Kronleuchter.

„Fast alle Bauarbeiten und Anschaffungen leistet bei uns die Gemeinde“, erzählt Dede Mehmet. „Nach dem Brandanschlag haben wir aber Firmen mit der Reinigung beauftragt. Die Wände mussten zum Beispiel dreifach gesäubert werden. Neben dem Abwaschen der oberflächlichen Russschichten, mussten die tieferen Schäden in der Wand mit dem Sandstrahl behandelt werden. Denn sonst würden die Wände wie beim Schimmel langsam vom tief sitzenden Russ zersetzt.“

Die Moschee der Milli Görüs Moschee ist also mit Verzögerung doch fertig geworden. Nur noch kleine Arbeiten bleiben. Die neuen Treppenstufen mit Silikon versiegeln, hier und da Farbe und Lampen anbringen und den Vorplatz und Hinterhof neu gestalten. Eine offizielle Einweihung der Moschee folgt noch. „Schön wäre der Tag der deutschen Einheit, an dem ja auch im ganzen Land der `Tag der offenen Moschee gefeiert wird“ hofft Isa Altin. Ansonsten halt im kommenden Frühjahr, wenn es wieder wärmer ist.

Eines macht der Islamischen Gemeinde in Bergkamen allerdings weiter Sorgen. „Es wird bei dem Brandleger immer von Einzeltäter n gesprochen, damit war das Thema schnell erledigt für viele“ ärgert sich Isa Altin. „Das war aber kein Kleiner -Jungen-Spaß. Die wussten genau, wie sie in die Moschee eindringen konnten, um das Feuer zu legen. Das muss koordiniert und vorbereitet gewesen sein.

Also wird er Teil einer rechten Gruppe gewesen sein. Die milde Strafe und das eher gleichgültige Interesse der Politik, der Medien und damit der Öffentlichkeit könnten Nachahmungseffekte nach sich ziehen. Davor hat unsere Gemeinde schon Angst.“ Gleichwohl fühlt sich die Gemeinde sicher in Bergkamen. Viele leben wie Isa Altin schon seit fast 40 Jahren hier und sehen Deutschland auch als ihre Heimat. Ein Zeichen dafür ist die Bemühung, mit der neuen repräsentativen Moschee mehr in die öffentliche Wahrnehmung zu rücken.

„Einige meiner Kollegen von Bayer fahren schon seit Jahrzehnten die Straße hier entlang und registrieren die Moschee erst in der letzten Zeit. Sie fragen mich dann immer und sind ganz verwundert, dass wir hier schon seit so langer Zeit sind“ lacht Isa Altin.