Die verborgene Geschichte Asiens

Oberhausen. Bei der Focus-Reihe "Unreal Asia" ging es von der asiatischen Vergangenheit bis in die Gegenwart. Die Reise führte den Zuschauer in ein indonesisches Gefängnis, in das Thailand der 30er Jahre und mit dem Fahrradtaxi durch Singapur.

Zum Auftakt der Focus-Reihe „Unreal Asia“ die Geschichte. Die verborgene, verheimlichte Geschichte, auch die unterdrückte. Verborgen nicht zuletzt weil die Machthaber vieler Länder des asiatischen Kontinents die eigene Geschichte umgedeutet, beschönigt, pervertiert haben, zu propagandistischen Zwecken.

In „Bongseng“ geht es im eine kleine persönliche Geschichte von Patrick, Armando, Andri, Yuwono und Triyono. Die fünf Darsteller des Films sind gleichzeitig die Regisseure. Und die Insassen einer Strafanstalt in Indonesien. Sie verständigen sich mit Handzeichen, die nur sie zu deuten wissen, und feiern, dass einer von ihnen an diesem Tage entlassen wird. Ein leichter Film ohne jede Problematik, mit Debussy als Hintergrund - fein.

Prinz Purachtra filmte

Schwieriger sind die Filme, die sich mit dem Krieg beschäftigen. „Kalawang“ aus dem Jahr 1990 bedient sich bei Schnittabfällen aus alten Wochenschauen und Spielfilmen, Bilder eines sich liebenden Paares, kriegerischer Auseinandersetzungen, Aufmärsche werden durch Doppelprojektion und Farbverfremdung zu einem hypnotischen Trip. „Unidentified Vietman No. 18“ von Lin + Lam aus dem Jahr 2007 bedient sich der gleichen Produktionsgrundlage: Filme aus dem „Library Of Congress“ erzählen - neu arrangiert - einen ungewöhnlichen Blickwinkel der amerikanisch-vietnamesischen Auseinandersetzungen.

Bizarr „2476 Constitution Ceremony“, ein Amateurvideo des Prinzen Purachtra von Kambangpejara aus dem Jahre 1932, der seine Umwelt festhält: Militärparaden und U-Boote, die in den Hafen einlaufen, Einwohner in den Städten ... - eine Geschichte Thailands ohne jede Zensur.

„Bertemu Jen“ ist das Portrait des erfolgreichen Theaterschauspielers Jen, der nach der Reform in Indonesien keine feste Arbeit mehr hat: Die - vermeintlich wahre - Geschichte des Landes wird nicht mehr in Glanz und Gloria zelebriert. Er trauert seiner Glanzzeit - und der des totalitären Regimes - nach, ohne jemals Täter gewesen zu sein.

Der wahre Gründer von Singapur

Der fröhlichste - und bunteste - Film des „Unreal Asia“ - Auftakts kommt von Ho Tzu Nyen: Sein „Utama - Every Name in History Is I“ ist der wahre Gründer von Singapur, und als Abenteurer und Entdecker schlüpft er gleich in viele Abenteuer- und Entdeckerrollen. Das ganze in einer Theaterumgebung gespielt, aber prächtig - und humorvoll - mit wunderbaren Landschaften hinterlegt. Und zum Abschluß geht es dann - in voller historischer Montur - per Fahhradtaxi durchs aktuelle Singapur.

Zum Abschluß „Direct Action“ vom indonesischen Regisseur Muhammad Akbar: zweieinhalb Minuten nervige schwarzweiß-Muster zu ohrenbedrohlichem Lärm. Was das mit asiatischer Geschichte zu tun hat? Keine Ahnung. War aber grell und heftig und - danke! - kurz. Und der Einstieg ins unwirkliche Asien erhellend, kurzweilig und appetitanregend.--

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