Die Städte wollen ihre alten Kennzeichen zurück

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Essen. Freude in Gladbeck, Dinslaken, Arnsberg und Castrop-Rauxel: Viele NRW-Städte könnten schon bald ihre "alten" Kennzeichen zurückbekommen. CAS, GLA und DIN sollen als "Stadtwappen für breite Bevölkerungsschichten" für die Kommunen werben.

Die Verkehrsministerkonferenz hat mehrheitlich für die Wahlfreiheit bei den Kfz-Kennzeichen gestimmt: ein erster Schritt für eine Rückkehr zu den alten Schildern wie CAS für Castrop-Rauxel oder DIN für Dinslaken. Nach den Vorstellungen der Mehrheit der Verkehrsminister sollen die Autofahrer selbst entscheiden können, ob sie die neuen oder die vor der Kreisgebietsreform verwendeten Kennzeichen nutzen wollen. Einer entsprechenden Änderung der Kfz-Zulassungsverordnung müsste der Bundesrat zustimmen.

Mehrheit der Bürger will die ausrangierten Kennzeichen zurück

Damit entsprechen die Verkehrsminister dem Wunsch der Bürger. Nach einer Umfrage des Heilbronner Wissenschaftlers Prof. Ralf Bochert will die Mehrheit der Bürger die alten Kennzeichen zurück. Aber woher kommt die hohe Anhänglichkeit der Bürger zu ihren ausrangierten Kennzeichen?

„Bundesweit haben in den 80 Städten, die wir befragt haben, 73 Prozent für die Möglichkeit votiert, die alten Kennzeichen wieder einzuführen. Es ist also das Thema Wurzel und Heimat“, erklärt Borchert. „Es bedeutet, dass sich die Menschen mit ihren Städten identifizieren. Sie leben dort gerne.“

Sogar junge Leute unter 30 Jahren stimmten überwiegend für die Wiederkehr der alten Schilder. Hier gehe es laut Borchert allerdings nicht um einen Nostalgie-Touch. „Gerade die Jüngeren erkennen den Marketing-Wert des Kennzeichens ihrer Stadt.“

ADAC: „Sollte keine Mehrkosten für die Autofahrer bedeuten“

Der ADAC steht einer Wiedereinführung der alten Kennzeichen offen gegenüber - vorausgesetzt, der Bürger muss die freie Wahl nicht teuer bezahlen. „Die Rückkehr zu den alten Kennzeichen sollte keine Mehrkosten für die Autofahrer bedeuten“, sagt Jacqueline Grünewald vom ADAC Nordrhein. Schließlich sei ein Grund für den Wegfall der regionalen Kennzeichen damals eine Reduzierung des Kosten- und Verwaltungsaufwands gewesen.

Bürgerinitiative „Ich bin für CAS“

Aus Liebe zum „alten“ Kennzeichen hat sich in Castrop-Rauxel unter dem Namen „Ich bin für CAS“ eine Bürgerinitiative gegründet. „Wir wollen uns durch das Kennzeichen CAS besser mit unserer Heimatstadt Castrop-Rauxel identifizieren“, begründet die Initiative ihr Engagement. Nicht zuletzt könne die Stadt ihr eigenes Kennzeichen „praktisch zum Nulltarif im Marketing nutzen und zur Marke machen.“

"Die Entscheidung der Ministerkonferenz bringt uns unserem Ziel einen Schritt näher und zeigt, dass die Politik verstanden hat, dass diese Form der Identifikation mit der eigenen Stadt ein ernsthaftes und ernstzunehmendes Bürgerinteresse ist", betont Andreas Frackowiak von der Initiative. "Für all zu ausgelassenen Jubel ist es aber noch etwas zu früh. Es sind noch viele Schritte zu machen, und es müssen noch einige Hürden genommen werden, bis wir endlich das Kennzeichen CAS nutzen dürfen." In Castrop-Rauxel sind noch zwölf Fahrzeuge mit dem alten CAS-Kennzeichen zugelassen.

Städte begrüßen Wahlfreiheit

"Die Bürger sind begeistert von der Idee, wieder mit ihren „alten“ CAS-Kennzeichen durch die Straßen zu fahren", erklärt Stadtsprecherin Maresa Hilleringmann. Und auch die Stadt Castrop-Rauxel begrüße die Entscheidung aus Potsdam. "Im Vordergrund steht der positive Marketingeffekt, der auf der Hand liegt. Mit dem alten Kfz-Kennzeichen verbinden die Menschen Heimatgefühl."

„Aus Dinslakener Sicht ist das prima“, freut sich Stadtsprecher Horst Dickhäuser. Eine solche Regelung mit dem von vielen vermissten DIN-Kennzeichen trüge mit Sicherheit dazu bei, die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt zu fördern. „Wenn Sie wollen: Das neue/alte Heimatkennzeichen ist eine Art Stadtwappen für breite Bevölkerungsschichten.“

"In der Stadt Arnsberg ist die Möglichkeit des alten AR-Kennzeichens recht positiv aufgenommen worden", erklärt Sprecher Dirk Hammel. Die Stadtverwaltung werde sich nun in den Arbeitsprozess einer Ratsvorlage begeben, um auf die Wahlmöglichkeit zwischen HSK- und den alten AR-Kennzeichen hinzuwirken.

„Aus vielen Gesprächen mit unseren Bürgern weiß ich, dass sich auch bei uns in Lünen viele das alte LÜN-Autokennzeichen zurückwünschen", sagt Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick. "Das LÜN-Kennzeichen symbolisiert für viele ein Stück Heimatverbundenheit und zeigt auch nach außen eine enge Verbundenheit mit unserer schönen Stadt. Zudem hätte die Wiedereinführung von LÜN am Auto auch einen Marketingaspekt. Bei jeder Urlaubsreise machen die Bürger so ein Stück Werbung für Lünen.“

Die Stadt Gladbeck begrüßt die Entscheidung der Verkehrsministerkonferenz ausdrücklich. "Wir gehören zu den NRW-Städten, die seit letztem Jahr im Zusammenhang mit der Heilbronner Initiative die Wiedereinführung des alten GLA-Kennzeichens vorantreiben", betont Sprecher Peter Breßer-Barnebeck. "Schwierigkeiten sehen wir keine, im Gegenteil: Das ist ein Thema, das nur positive Aspekte hat. Ein eigenes Kennzeichen ist ein Beitrag zur Identitätsstiftung und ein Zeichen für Heimatgefühl." (Mit Material von dapd)

 
 

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