Die Stadt ehrt eine große Frau

Die Vizebürgermeister Christel Briefs und Heinz Denniger haben Sr. Johanna auf die Bühne begleitet, Bürgermeister Lambert Lütkenhorst überreicht die Urkunde.
Die Vizebürgermeister Christel Briefs und Heinz Denniger haben Sr. Johanna auf die Bühne begleitet, Bürgermeister Lambert Lütkenhorst überreicht die Urkunde.
Foto: WAZ FotoPool

Dorsten.. Stehend applaudierten die hundert geladenen Gäste im Jüdischen Museum, als Sr. Johanna Eichmann (85) die Urkunde in Händen hielt, die sie zur achten Ehrenbürgerin der Stadt ernennt. Sie selbst erwies am Donnerstag dem Schauplatz dieser Verleihung die Ehre: „Es kann dafür keinen passenderen Ort geben. In diesem Museum akkumuliert alles, was in meinem Leben als Fügung und Führung zusammen trifft.“

Im April hatte der Rat der Ursulinin diese höchste Würdigung zuerkannt, die Dorsten vergeben kann. „Ein Beschluss, der Dorsten selbst zur Ehre gereicht“, sagte Bürgermeister Lambert Lütkenhorst, der Sr. Johanna „innere Kraft und ein geschärftes Gewissen“ attestierte.

Dass sie diese Anerkennung bekomme, sei „keine Überraschung“, sagte der scheidende Regierungspräsident Dr. Peter Paziorek in seiner Laudatio.

Ruth Eichmann: geboren in einer jüdischen Familie mit einem katholischen Vater, getauft zum Schutz vor dem Rassenwahn der Nazis, als Kind trotzdem wegen ihrer Herkunft „gemobbt, wie man heute sagen würde“ (sagt sie selbst), dem Vernichtungswahn entkommen, eingetreten in den Orden der Ursulinen, Lehrerin, reformfreudige Leiterin des Gymnasiums und Mitgründerin des Museums: „Immer wieder ist es ihr Mut zur Veränderung, der auffällt“, so Paziorek. Jüdin zu sein – das prägt dabei den Lebensweg der Ordensfrau. Paziorek: „Sie hat sich hartnäckig und beharrlich gegen jede Art der Ausgrenzung gestellt. Sie verdient darum Achtung, Respekt und Bewunderung.“

„Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde bewegt mich tief. Ich kann das nicht souverän verbergen und will es auch nicht“, sagt die Geehrte selbst und sichtlich gerührt. Das Museum, der passende Ort, ist mit dem St. Ursula-Gymnasium ihr Lebenswerk. Sr. Johanna: „Ich bin dankbar, dass ich es mit gründen durfte in einem Kreis von Freunden, ohne die dieses Werk nicht gelungen wäre.“

Sie erinnerte auch an Sr. Paula, die andere Ursulinin, die Ehrenbürgerin war. „Sollte es den Orden – was Gott verhüten möge – einmal in Dorsten nicht mehr geben, dann wird mit uns Ehrenbürgerinnen die Erinnerung an die Ursulinen bleiben.“

 
 

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