Die Schulpause gehört Hexe Lilli

Die Vorlesekinder der Ketteler-Schule Rünthe
Die Vorlesekinder der Ketteler-Schule Rünthe
Foto: WR

Rünthe.. Die Rünther Kinder lesen gern, sie lesen viel und sie lesen auch noch gut. Etwa Julia. Die Zehnjährige hat das Buch von Hexe Lilli auf dem Schoß und liest flüssig, mit viel Betonung, die neuesten Abenteuer der kleinen Hexe vor. An ihren Lippen hängen neun Erstklässler.

Jeden Donnerstag wiederholt sich in der Pause diese Szene in zwei Räumen der Freiherr-von-Ketteler-Grundschule. Dort warten bis zu neun Schulanfänger auf die „großen“ Kinder, die ihnen vorlesen. 12 Vorlesekinder gibt es. Immer vier von ihnen sind im wöchentlichen Wechsel als doppeltes Vorlese-Team an der Reihe. Am Donnerstag waren es Julia und Lola sowie Isabella und Anna-Lena.

Die Geschichten, die sie vortragen, suchen sie selbstständig aus. Das ist nicht so einfach. Denn die Geschichte muss nicht nur altersgerecht und mit Bildern versehen sein. „Die Geschichte muss Mädchen und Jungs gleich interessieren“, erläutert Isabella.

„Wir haben uns deshalb für die Hexe Lilli entschieden. Da kommen auch Ritter vor“, erläutert Julia, die das Buch von zu Hause mitgebracht hat, ausgeliehen von der kleinen Schwester. Denn ihre eigene Sammlung („Ich habe bestimmt 40 Bücher“) ist zu anspruchsvoll für die kleinen Zuhörer. Das gilt auch für Leons Favoriten. Er steht auf Harry Potter. „Aber das geht gar nicht. Dafür sind die Erstklässler viel zu klein“, erklärt Helena aus der 4b.

Sie war letzte Woche an der Reihe. Zusammen mit Marie. „Und wir waren ganz schön aufgeregt“, erzählten die beiden Mädchen.

Eva Krebbers, Klassenlehrerin der 3b, die die Buch-Kinder betreut, lächelt erfreut. „Das ist der Sinn. Die Kinder bekommen Selbstvertrauen, wenn sie regelmäßig vor einer größeren Gruppe etwas vortragen. Sie lernen durch die Buchauswahl selbstständiges Arbeiten. Und durch die regelmäßigen Termine Verantwortungsbewusstsein.“ Die Kleinen wiederum würden ans Medium Buch herangeführt. „Sie sollen erleben, dass es nicht nur Fernsehen und Play Station gibt“, so Eva Krebbers.

Sie hofft, dass die Erstklässler irgendwann genauso Feuer fangen fürs Lesen wie die vier Jahre älteren Kinder. Denn in dieser Altersgruppe gab es mehr Bewerbungen für die Lesepatenschaft als freie Plätze. „Wir machen das freiwillig. Ohne Bezahlung“, scherzt Isabella aus der 4a. Genauso freiwillig kommen die Erstklässler. Ihnen wird es freigestellt, ob sie ihre Pause im Leseraum oder tobend auf dem Schulhof verbringen wollen.

Während die Erstklässler noch lauschen, wird es im Flur laut: Besuch aus dem Kindergarten. Die Maxikinder kommen in die Schule, um sich ebenfalls vorlesen zu lassen. Von ihren Bücherkumpeln aus dem dritten Jahrgang.

Was sie wohl vorlesen? Isabella und Anna-Lena aus der 4a jedenfalls haben sich für die Geschichte des verflixten Schulranzens entschieden. Ebenfalls ein privates Buch. Obwohl die schuleeigene Bücherei natürlich auch Lektüre zur Verfügung stellt.

 
 

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