Die Schau des Adolf Sauerland - von R. Oppers

Rüdiger Oppers
Foto: WAZ FotoPool

Drei Wochen nach der Loveparade-Katastrophe in Duisburg mit 21 Toten und über 500 Verletzten gibt OB Adolf Sauerland noch immer keine Antwort auf die Fragen seiner Verantwortung. Ein jammervolles Schauspiel, meint NRZ-Chefredakteur Rüdiger Oppers.

Duisburg ist auch drei Wochen nach der Loveparade-Katastrophe ohne Führung, ohne Ge­sicht, ohne Stimme. Dabei ge­bietet der Duisburger Oberbürgermeister, Repräsentant einer der ärmsten Städte in NRW, über eine Pressestelle, dazu über einen persönlichen Sprecher und nun auch noch einen kostspieligen PR- und Imageberater – und alle schweigen. Stattdessen inszeniert Adolf Sauerland ein schäbiges Spiel um seine Person. Auf Kosten der Steuerzahler versucht er, seinen Ruf zu retten. Im exklusiven Interview fürs Fernsehen gibt er aber noch immer keine Antwort auf die drängenden Fragen nach der moralischen und politischen Verantwortung. Er redet lieber über sich selbst.

Was uns da geboten wird, ist ein jammervolles Schauspiel: Adolf Sauerland in der Rolle des Opfers. Wollte sich der Duisburger Oberbürgermeister der Öffentlichkeit stellen, würde er eine Pressekonferenz geben und allen Medien Rede und Antwort stehen. Stattdessen macht er aus der Tragödie eine TV-Schau. Von Verantwortung noch immer keine Spur. Eigentlich sollte ein Oberbürgermeister Garant für Recht und Ordnung sein. Aber Sauerland kennt vor allem Selbstgerechtigkeit.

Es gibt noch andere Scheinheilige

Seine Verdrängungstaktik ist nicht ohne Erfolg: Mittlerweile diskutiert man in der Öffentlichkeit intensiv darüber, ob er angemessen versorgt aus dem Amt scheiden kann. Es ist aber nicht die Rede davon, wie es um die Opfer steht. Was wird den Eltern noch gegeben, denen ein Kind genommen wurde?

Erneut kündigt Herr Sauerland seine Mitwirkung bei der Aufklärung der Ereignisse an. Das ist keineswegs eine freiwillige oder gar lobenswerte Leistung. Die Staatsanwaltschaft wird sie ihm ohnehin abfordern, ob er Oberbürgermeister ist oder nicht, macht keinen Unterschied.

Aber Adolf Sauerland ist nicht alleine. Es gibt andere Scheinheilige. Wenige Wochen nur ist es her, dass unter dem „Label“ Kulturhauptstadt 2010 zur Loveparade eingeladen wurde, die auch den Ruhm des Prestige-Projekts „Zwanzigzehn“ mehren sollte. Manager der Kulturhauptstadt standen parat, um den Millionen-Besucherrekord stolz der Presse zu präsentieren. Eine dreiste, vorab vereinbarte Lüge, die nun sogar das schweigsame Stadtoberhaupt eingestanden hat. Absurde Zahlen, gefälscht auf Wunsch der Vermarkter. Ge­spenstisch ist, dass Stadt und Veranstalter willfährig bereit waren, die Öffentlichkeit zu täuschen. Auch die Kulturhauptstadt-Macher müssen sich fragen lassen, ob sie sich selbst zum Teil dieser Heuchelei ge­macht haben.

Es reicht nicht aus, solchen Großveranstaltungen nur ein „Label“, eine Marke, aufzukleben. Als Gastgeber hat man auch Pflichten. Eingeladen haben viele zu diesem Totentanz. Die Verantwortlichen sind betroffen, aber eben nicht verantwortlich. So ist das in Duisburg: 21 Menschen sind tot, und niemand, wirklich niemand, ist schuld.