Die ganze Bandbreite des Cellos

Diethelm Textoris
Celloherbst, mit Matias Oliveira Pinto, Felicitas Stephan u. Kammerorchester der Musikhochschule Münster , Hansesaal
Celloherbst, mit Matias Oliveira Pinto, Felicitas Stephan u. Kammerorchester der Musikhochschule Münster , Hansesaal
Foto: Diethelm Textoris

Lünen. Dass die Hellweg-Region jedes Jahr zum Mekka der Krimi-Fans wird, hat sich inzwischen nicht nur in unserer Region herumgesprochen. Doch am Hellweg wird nicht nur gekonnt gemordet. Es wird auch hervorragend musiziert. Parallel zum Krimifestival findet in diesem Jahr schon zum vierten Mal der „Celloherherbst am Hellweg“ statt: 40 Konzerte mit 30 Ensembles in 25 Städten. „Es handelt sich nicht nur um das bedeutendste Musik-Festival im östlichen Ruhrgebiet“, betonte Intendant Uli Bär, „sondern um das vielseitigste und wahrscheinlich sogar größte Cellofestival der Welt.“

Im Rahmen dieses Festivals präsentierte sich der Hansesaal mit dem Kammerorchester der Musikhochschule Münster unter der Leitung von Matias de Oliveira Pinto am Sonntagnachmittag wieder einmal als Konzertsaal für die ernste Muse. „Im Laufe der Veranstaltungen wollen wir das Cello in seiner ganzen Bandbreite zeigen. Für Lünen haben wir u.a. seltene Doppelkonzerte ausgesucht und zudem ein kontrastreiches Programm zusammengesellt“, erklärte Uli Bär.

Es begann mit einem Doppelkonzert von Georg Friedrich Händel. Das besondere an dieser Art von Konzerten ist, dass zwei Soloinstrumente einem Orchester gegenübergestellt werden. Felicitas Stephan und Matias de Oliveira Pinto fungierten als überragende Instrumentalsolisten auf dem Violoncello, mal im Zusammenspiel mit dem Orchester, dann wieder im Einzelspiel. Weiter ging es mit dem Adagio aus einem Konzert für Violoncello und Orchester des italienischen Komponisten Tomaso Albinoni und dem Cellokonzert in C-Dur von Joseph Haydn.

„Mich beeindruckt die Präzision, mit der musiziert wird. Mich fasziniert, wie Professor de Oliveira Pinto trotz seiner Solopartien das gesamte Orchester im Griff hat, manchmal mit dem Cellobogen dirigiert bzw. die Einsätze steuert“, meinte Konzertbesucher Horst Loddoch.

Nach der Pause erlebte das Publikum in Anwesenheit des Komponisten Ulrich Schultheiss aus Münster die Uraufführung seines Doppelkonzerts. Dieses „Capriccio“ bildete einen Kontrast zu dem bisher Gehörten, spielte wie bei einer Filmmusik mit rhythmischen Verschiebungen und Raffinessen, setzte die Streichinstrumente gleichwertig auch als Zupfinstrumente ein. Vielleicht hatte der Komponist hier an die Capriolen einer schönen Frau gedacht. Das Lüner Publikum spendete dem Schöpfer für dieses außergewöhnliche Stück viel Beifall und Anerkennung.

Von Astor Piazzollas Konzert der Jahreszeiten präsentierte das Orchester den Herbst und den Frühling. Schloss man die Augen, so konnte man den rauen Herbstwind durch die Blätter wehen hören, dann tauchte in der Fantasie ein Sonnentag mit „Indian Summer“ auf, bis der Wind wieder mächtig aufdrehte. Beim Frühling hörte man förmlich das Aufbrechen der Knospen, erlebte dann ein Blumenmeer und die volle Blütenpracht eines Obstbaumes.

Mit der Zugabe schloss sich der Kreis des kontrastreichen Programms. Der junge koreanische Komponist Kyung Won Lee, Student an der Musikhochschule Münster und Bratschenspieler im Kammerorchester, beschrieb bei „Fall in Love“ musikalisch die Gefühle des sich Verliebens, wenn die Gedanken auf den Flügeln bunter Träume dahinschweben. Mit dieser romantischen Komposition war er ganz nah an der Tradition der alten Meister Händel und Haydn aus dem ersten Teil.