Die billigen Olivenöle sind die Besten

Hagen. Es verwandelt schnödes deutsches Gemüse in mediterrane Delikatessen und manche glauben, es mache 100 Jahre alt: Olivenöl. Gesund und rein soll es sein. Im Idealfall steigt dem Gourmet eine frische Note zwischen Artischocke, reifer Tomate und grünem Apfel in den Riecher.

Olivenöl soll gesund und rein sein, und den Genießer ein langes Leben bescheren. Doch Christian Gertz, Mitglied im Deutschen Olivenöl-Panel und Leiter des Chemischen Untersuchungsamtes Hagen, hat es oft mit schmierigen Stoffen zu tun, die an Altöl erinnern.

Ranzig, modrig und muffig wabert es aus grünen Flaschen. „20 Prozent unserer Proben sind ungenießbar”, sagt Gertz. Jede zweite verdiene das Qualitäts-Label „extra nativ” nicht. Da werde Gutes mit Minderwertigem ge­panscht, da werde billiges Nuss- oder Palmöl beigemischt, da werde manche Olive von Spanien oder Nordafrika nach Italien verschifft, um dort zur Italienerin zu werden. Denn in Deutschland haben italienische Öle – nicht immer zu Recht – einen guten Ruf.

Spezielle Analyseverfahren

Für Christian Gertz sind die in Europa geltenden, 20 Jahre alten Vorschriften für Olivenöle „legalisierter Betrug”. Denn sie eignen sich seiner Ansicht nach nicht, Herkunft, Alter und Qualität zu prüfen und Manipulationen zu entdecken. Das Chemische Untersuchungsamt Hagen hat deshalb spezielle Analyseverfahren entwickelt, die diese Wissenslücke schließen könnten. Die EU interessiert das jedoch nicht. In Australien, Argentinien und Chile aber werden Olivenöle nach dem Verfahren aus Hagen geprüft. Mit dabei sind auch die Discounter Aldi und Lidl. Sie lassen ihre Öle strenger testen, als es die EU vorschreibt.

„Aldi und Lidl sind in diesem Fall Pioniere“, erklärt Dieter Oberg. Er ist der Leiter des Deutschen Olivenöl Panels, der einzigen in Deutschland offiziell zertifizierten Kontrollgruppe für Olivenöl. Oberg hält die Qualität der hierzulande verkauften Öle für immerhin „befriedigend bis gut”.

Das Panel beanstandete im vergangenen Jahr 17 Prozent der getesteten Öle. „Die Einkäufer sind aber sensibler geworden, das liegt auch an unserer Kontrolle und unserer Aufklärung”, sagt Oberg dieser Zeitung.

Etikettenschwindel?

Das Chemische Untersuchungsamt Hagen hat für die WR WAZ zwölf Öle getestet, darunter preiswerte Discounter-Öle für 2,59 Euro und teurere Produkte bis sieben Euro. Ergebnis: Die Billigsten waren die Besten: erstaunlich frisch, rein und lecker. Vier der fünf „guten” Öle kosteten gerade einmal 2,59 Euro. Überraschender Sieger in diesem Vergleich ist die Edeka-Marke „Gut und günstig” vor Ölen von Aldi, Lidl und der Rewe-Eigenmarke „Ja”.

Vier der zwölf Öle waren nach Angaben der Hagener Behörde schon zwei bis drei Jahre alt, vier hätten die Bezeichnung „extra nativ” überhaupt nicht verdient, eines kam laut Etikett aus Italien, nach Einschätzung des Experten aber aus Spanien. Das Sasso-Öl sei eigentlich „nicht mehr verkehrsfähig“. In einem Markenöl von Mazola schließlich will Gertz die „Beimischung von 15 Prozent Fremdöl, vermutlich Palmöl” entdeckt haben. Die sensorische Prüfung (Geruch/Geschmack) ist hier eine subjektive des Experten. Ein kompletter Panel-Test würde von acht Sachkundigen durchgeführt.

Die Firma Unilever, die Mazola vermarktet, weist den Panscherei-Vorwurf zurück: „Die Vermutungen bezüglich Frem­d­öl und Behandlungsverfahren entbehren jeglicher sachlichen Grundlage und entsprechen nicht der Wertigkeit unseres Produktes.“ Die Firma Sasso beteuert, nicht Olivenöle verschiedener Herkunft gemischt zu haben: „Unser Produkt enthält ausschließlich natives Olivenöl extra von italienischen Ölbäumen.“ Das hätte eine Gegenprobe in Italien ergeben. Die sensorische Prüfung aus Hagen könne zudem nur als orientierend gewertet werden.

 
 

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