Die Ansagen des Papstes - von Thomas Rünker

Das war mal eine Ansage. Und nicht nur eine. Bei seinem Deutschlandbesuch hat der deutsche Papst keine Gelegenheit ausgelassen, seine Landsleute an ihr christliches Erbe zu erinnern und der teils abtrünnig oder müde erscheinenden katholischen Herde wieder neue Freude am und Kraft zum Glauben zu vermitteln.

Dabei dürfte sein Vorstoß, dem Christentum durch ein stärkeres ökumenisches Miteinander wieder mehr Gewicht zu verleihen, noch den meisten Zuspruch finden. Wohltuend – und zu Recht – hat er auf die Bedeutung christlicher Werte hingewiesen, von der die ganze Gesellschaft profitieren kann.

Umstrittener dürften seine Ansagen für die deutschen Katholiken sein. Denn ihren Glauben will er nicht, wie hierzulande von vielen erhofft, durch Zugeständnisse bei Reformideen stärken. Benedikts Botschaft ist einfach und klar: Nicht organisatorische Reformen erneuern die Kirche, sondern nur eine (Rück-)Besinnung auf den Glauben. Das darf man konservativ nennen – wer das nicht mag, muss die Frage beantworten, welche Alternative eine weltumspannende Institution mit 2000 Jahren Geschichte hat. Mehr Konzentration auf Glaubensinhalte und Spiritualität als auf die Organisation des Gemeindefests dürfte jedenfalls mancher Pfarrei neue Impulse geben.

Dass diese Ansagen dennoch vielen Katholiken in Deutschland nicht gefallen werden, liegt auf der Hand. Wie in der Ökumene war auch innerhalb der katholischen Kirche die Hoffnung auf Reformen gewachsen. Denen hat Benedikt eine Absage erteilt – aus seiner Sicht nachvollziehbar. Nationale Ausnahmen sind für die weltumspannende Kirche ein Problem.

Spannend wird die Frage, wie die deutschen Kirchen nun auf die Papst-Impulse reagieren – Bischöfe auf der einen Seite und die Laienorganisationen auf der anderen. Für die Katholiken bleibt zu hoffen, dass aus der Diskussion nicht neue Machtkämpfe werden, sondern der Blick in die Bibel einen gemeinsamen Ton angibt.

 
 

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