DGB-Chef Schneider gilt als Streiter für Arbeitnehmerrechte

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Düsseldorf.. Am Donnerstag hat die Vorsitzende der NRW-SPD Hannelore Kraft ihr erstes Schattenkabinett-Mitglied vorgestellt. Guntram Schneider soll NRW-Arbeitsminister werden. Der gebürtige Ostwestfale ist seit 2006 DGB-Landeschef. Dort steht der „quirlige Vielredner“ für Dialog und Offenheit.

Die Unterschiede zum jetzigen Amtsinhaber könnten kaum größer sein. Im Gegensatz zum hoch aufgeschossenen NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), dem knorrigen Münsterländer mit den zumeist knappen Sätzen, ist Guntram Schneider, eher klein an Körpergröße, ein quirliger Vielredner. Der Landesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) redet wortgewaltig Klartext, wenn es um Arbeitnehmerrechte in Nordrhein-Westfalen geht. Nun will Schneider in die Politik - und nach der Landtagswahl am 9. Mai als Nachfolger von Laumann Arbeitsminister in Nordrhein-Westfalen werden.

Im Bundesrat solle NRW als „Bollwerk“ unsoziale Reformen bei Steuern und Gesundheit verhindern, kündigte Schneider am Donnerstag bei seiner Vorstellung als Schattenminister von SPD-Landeschefin Hannelore Kraft an. Das bevölkerungsreichste Bundesland müsse ein „schwarz-gelbes Durchregieren“ verhindern.

Seit Anfang 2006 steht Schneider an der Spitze des DGB in Nordrhein-Westfalen. Erst im Februar war der 58-jährige Westfale wiedergewählt worden. Einen Mitbewerber gab es nicht.

Niederlage bei der Bundestagswahl 2009

Unter Schneiders Ägide als DGB-Landeschef haben die Gewerkschaften ihren Mitgliederschwund in NRW stoppen können. Insgesamt zählt der DGB in NRW derzeit rund 1,6 Millionen Mitglieder. Schneider steht für Dialog und Offenheit. Er hält trotz aller Gegensätze Kontakt zur Kapitalseite - trotz mancher „eruptiver Ausbrüche“ im Eifer des Gefechts, wie er sagt.

Aber es gab auch Rückschläge für die Arbeitnehmerorganisation. Die schwarz-gelbe Landesregierung von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) schränkte 2007 die Rechte von Betriebsräten im Landespersonalvertretungsgesetz (LPVG) ein - trotz erbitterter Proteste der Gewerkschaften. Nun will Schneider nach dem 9. Mai als Arbeitsminister die Mitbestimmungsrechte wiederherstellen.

Auch persönlich musste Schneider politische Schlappen einstecken. Bei der Bundestagswahl 2009 scheiterte er als SPD-Kandidat im Wahlkreis Bielefeld knapp gegen die CDU-Kandidatin und regionale Handwerkskammer-Präsidentin Lena Strothmann. „Natürlich war die Niederlage bei der Bundestagswahl im Wahlkreis Bielefeld bitter. Das schüttelt man nicht einfach ab“, sagt Schneider.

Idyllische Kindheit in Ostwestfalen

Guntram Schneider kommt aus einer Arbeiterfamilie. Die Kindheit in Ostwestfalen beschreibt er idyllisch: „Ich war das Nesthäkchen, hatte eine wunderbare Kindheit. Geld war knapp, aber der Zusammenhalt und die Zuwendung in der Familie umso größer.“ Schneider hat Werkzeugmacher bei Thyssen Ruhrstahl gelernt. Der Arbeiter wurde Gewerkschafts-Sekretär - Schneider spricht mit etwas Stolz in der Stimme von der „klassischen Ochsentour“.

An seiner Haltung zu politischen Dingen ließ er nie Zweifel aufkommen, auch mit Blick auf die Landtagswahl am 9. Mai. „In der jetzigen Landesregierung ist mir zu viel Gelb. Wir brauchen eine Landesregierung, die Interessen von Arbeitnehmern vertritt“, sagt Schneider seit Monaten und sprach sich unlängst für Rot-Grün aus. Bis zum 9. Mai will er sich nun als Gewerkschaftschef zurückhalten und als seit rund 40 Jahren aktives SPD-Mitglied Wahlkampf machen. Im Falle einer Ernennung zum Minister gibt er das DGB-Amt auf.

Schneider ist Fan von Borussia Dortmund

Auch zur CDU hat Schneider seit Jahren gute Kontakte. Erst im März erhielt er von den Christdemokraten wegen seiner Verdienste um die Bewältigung der Rezessionsfolgen in NRW einen sogenannten Zukunftspreis von Rüttgers. Im Wahlkampf dürfte es der CDU somit nicht leicht fallen, Schneider zu attackieren.

Gerüchte über einen Kabinettsposten im Falle eines SPD-Wahlsiegs bei der Landtagswahl hatte Schneider vor gut zwei Monaten noch dementiert. „Ein neues politisches Amt strebe ich nicht an. Der nächsten Landesregierung werde ich definitiv nicht angehören“, sagte der DGB-Mann damals zu ddp. Nun entschied er sich doch anders: „Die politische Lage hat sich verändert“.

Schneider, der mit der Künstlerin Alma Stefanescu-Schneider verheiratet ist, wird abseits von Politik und Gewerkschaften künftig wohl noch weniger Zeit haben für seine Hobbys: Lesen, Kochen - und dem Bundesliga-Verein Borussia Dortmund die Daumen drücken. (ddp)

 
 

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