Deutsche bleiben Reiseweltmeister

Belek. 2008 wird ein gutes Jahr für die deutschen Urlauber. Diese Prognose wagte der Deutsche Reiseverband (DRV) bei seiner Jahrestagung im türkischen Ferienort Belek.

Die deutschen Reiseveranstalter können auf eine erfolgreiche Saison zurückblicken. Um fast 3 Prozent konnte der Umsatz im abgelaufenen Touristikjahr 2006/2007 gesteigert werden. Damit wurde mit der Marke von 20,5. Mrd. Euro erstmals wieder das Umsatzniveau der Zeit vor dem 11. September 2001 überschritten. Dies gab der Deutsche Reiseverband (DRV) auf seiner Jahrestagung im türkischen Belek bekannt. „Ich hatte zwar gehofft, dass wir dieses Ziel schon ein Jahr früher erreichen würden, aber jetzt ist es geschafft“, zeigte sich DRV-Präsident Klaus Laepple zufrieden. Zudem hätten die Veranstalter trotz der starken Preissensibilität der Verbraucher ihr Ertragsergebnis ebenfalls deutlich verbessern können. Auch die Aussichten für das neue Touristikjahr sind gut. Laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) wollen die Bundesbürger im Jahr 2008 mehr Geld für Reisen ausgeben als in diesem Jahr. „Die Reiseausgaben dürften um vier Prozent steigen“, zitierte Laepple aus der aktuellen GfK-Umfrage. Getrieben wird die neue Reiselust unter anderem von der sinkenden Arbeitslosenzahl in Deutschland. Sorge bereitet den Reiseveranstaltern allerdings die anhaltend hohen Ölpreise, die jede Form von Verkehr verteuern. „Ich hoffe nicht, dass die steigenden Energiepreise zur Spaßbremse der nächsten Saison werden“, so Laepple.

Im abgelaufenen Touristikjahr sorgten vor allem die Segmente Fernreisen (plus 7 Prozent)und Kreuzfahrten (plus 9 Prozent) für das gute Wachstum. Auch die Autoreiseziele und insbesondere der Urlaub in Deutschland konnte ein Plus von 4 Prozent verbuchen. Nach wie vor bleibt aber der Badeurlaub in Form der Pauschalreise das Brot und Buttergeschäft der Reisebranche. So behauptet der pauschal organisierte Urlaub seine dominierende Stellung etwa für Reisen zu den Warmwasserzielen des Mittelmeers mit einem Anteil von über 75 Prozent. Im Wettbewerb der Destinationen zählten auf der Mittelstrecke Ägypten (plus 16 Prozent), Marokko (plus 15 Prozent) und die Türkei (plus 9 Prozent) zu den Gewinnern, auf der Fernstrecke erzielten die Vereinigte Arabische Emirate starke Zuwächse, ebenso Thailand, die USA und Kanada.

Die größten Wachstumssprünge sollen laut DRV in den nächsten Jahren im Bereich der Kreuzfahrten erzielt werden. „Ein Ende des Booms ist auch 2008 nicht zu erwarten“, so Laepple. Insgesamt sei der Kreuzfahrt-Markt noch extrem unterentwickelt: Derzeit verbringen erst zwei Prozent der deutschen Verbraucher ihren Urlaub auf dem Wasser.

Kritisch hinterfragte der DRV-Präsident den Trend der Reedereien zu immer größeren Megalinern. „Ich habe meine Zweifel, dass den Riesen-Pötten mit bis zu 5000 Passagieren tatsächlich die Zukunft gehört, aber vielleicht besinnt man sich ja noch zur Vernunft.“ Weiter unter Druck steht der Vertriebsweg der klassischen Reisebüros, die Umsätze durch Internetbucher verlieren. Die Folge: Im abgelaufenen Jahr mussten 900 Verkaufsstellen ihren Betrieb einstellen. Aktuell gibt es rund 11400 Reisebüros im ganzen Land, nach wie vor eine der größten Reisebürodichten der Welt. Laepple sieht den Abwärtstrend noch nicht gestoppt. „Ich rechne mit einer mittelfristigen Größe von 10000 Reisebüros in Deutschland“, sagte der DRV-Präsident.

Hitzig diskutiert wurde auf der DRV-Tagung zudem die Preisbindung für Reisen aus dem Katalog. „Es kann nicht sein, dass die Katalogpreise in Stein gemeißelt sind und eine Wirkung von fast 14 Monaten haben, während Internetanbieter ihre Preise zehn mal am Tag ändern können“, kritisierte der DRV-Präsident die geltende Verordnung. Deshalb würden nun schon seit geraumer Zeit Gespräche mit dem Wirtschafts- Justiz und Verbraucherministerium geführt. Allerdings mochte Laepple nicht verhehlen, dass eine Lösung noch in weiter Ferne liegt. „Es gibt noch gewisse Schwierigkeiten“, räumte er ein. Wichtig sei aber, dass eine Lösung gefunden werde, die sauber und klar und nicht vor Gericht anfechtbar sei.

 
 

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