Der Wulff im Schafspelz - von Miguel Sanches

Foto: ddp

Berlin. Es gibt ihn, den lachenden Dritten. Er heißt Christian Wulff. Alle schauten immer nur auf Ursula von der Leyen und auf Norbert Lammert. Aber: Wulff war auf der Lauer.

Niedersachsens Ministerpräsident wird der nächste Bundespräsident. In ein paar Tagen wird der Mann erst 51 Jahre alt. Er wäre dann auch der jüngste Bundespräsident. An seiner Wahl sollten keine großen Zweifel bestehen, weil Union und FDP eine Mehrheit in der Bundesversammlung haben. Ebenso wenig kann man bestreiten, dass der Christdemokrat geeignet ist. Wie ein kleiner Präsident – volksnah, eloquent, konsensorientiert – agierte er schon in seinem Bundesland. Ein Mann der Mitte. Kein schlechter Standort, um Präsident aller Deutschen zu werden.

Nichts spricht gegen Wulff als Person, und trotzdem macht sich Enttäuschung breit. Hier wurde mal wieder die ganze große Parteipolitik betrieben. Wulff ist ein Mann von Schwarz-Gelb, aus der Sicht der FDP betrachtet: Endlich ein CDU-Spitzenpolitiker, auf den Verlass ist. Mehr als Deutschland soll Wulff der Regierung Merkel/Westerwelle Halt geben. Roland Koch privatisiert, Jürgen Rüttgers verliert an Strahlkraft, und nun geht der dritte potenzielle Rivale weg. Wenn Merkel Wulff weggelobt hätte, dann wäre es ein Schachzug und politisch überaus maliziös gewesen. Aber in Wahrheit wurde ihr in diesen Tagen das Heft des Handels aus der Hand geschlagen. Sie macht keine gute Figur.

So sind sie - die Parteien

Wulff ist nicht das Signal, das jetzt opportun wäre. Zu viel Taktik. Besser wäre es gewesen, ehrlich auszuloten, ob sich nicht doch ein Allparteien-Bewerber finden ließe. Eine(n), der wirklich über den Parteien steht. Ein so politisch exponierter Kandidat wie Wulff zwang die SPD mit Joachim Gauck ebenfalls einen Kandidaten aufzustellen. Wobei die Sozialdemokraten viele Krokodilstränen vergießen werden. Insgeheim werden sie aber auch froh sein, dass es keinen Konsens gibt und dass Wulff zum Zuge kommt. Er ist ein Gegner, der schwer zu schlagen ist. Wenn er nach Berlin geht, werden die Karten in Niedersachsen neu gemischt. Das muss der SPD gefallen.

Wulff ist machthungrig und ehrgeizig. Er hat seine Landsfrau Ursula von der Leyen glatt weggebissen. Ein Wolf im Scharfspelz. Als heimlicher Chef der niedersächsischen CDU hätte er Präsident oder Königsmacher werden können. Er hat sich selbstredend für seinen eigenen Vorteil entschieden. Er will es selber werden.

Für die Frauen ist es bitter. Von der Leyens Wahl hätte eine Signalwirkung gehabt. Nun wird wohl wieder nichts daraus. Keine Frau im höchsten Staatsamt, keine Premiere, keine Charmeoffensive.

Von der Leyen ist politisch beschädigt, keine Frage. Wenn sie Präsidentin geworden wäre, dann hätte Merkel den dritten Arbeitsminister innerhalb eines Jahres suchen müssen. Dass Ursula von der Leyen bleibt, ist auch ein Signal von Kontinuität. Was ist falsch gelaufen? Vielleicht nur eins: Berlin ist zu geschwätzig. Es wurde zu früh über Ursula von der Leyen geredet. Das rächt sich. Was wird der zurückgetretene Horst Köhler zum Machtkampf sagen? Antwort: So sind sie. Die Parteien.

 
 

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