Der Untergang eines Futtermittel-Riesens

Das Muskator-Futtermittel Werk im Hafen.
Das Muskator-Futtermittel Werk im Hafen.
Foto: Katharina Gilles
Die Muskator-Werke im Düsseldorfer Hafen stellten lange Zeit große Mengen an Mischfuttermitteln her – bis zu durchschnittlich550 000 Tonnen im Jahr. 1911 bereits gegründet, hielt sich das Gebäude viele Jahre wacker, bis zur Insolvenz 2013.

Düsseldorf.. Wie eine Bastion aus Stein und Beton stehen sie noch da, die Industrieanlagen der Muskator Futtermittel-Werke. Direkt am Hafen ragen die Riesen empor. In manchen Teilen der Anlage könnte man fast meinen, dass noch Betrieb herrscht. Andere dagegen sehen verlassen aus, die Fenster sind eingeschlagen, Türen aus den Angeln gehoben.


Dabei war Muskator einst ein großer Hersteller von Mischfuttermitteln, die Anlage in Düsseldorf zugleich Firmensitz, gegründet 1911. Von hier aus wurden die anderen Standorte, etwa in Riesa und Bamberg, zentral geleitet. Durchschnittlich 550 000 Tonnen wurden im Jahr produziert. Als eigene Marken vertrieb man Ovator, das Futter für die Heimtiere, und Ovator PegaPlus, für Pferde. 1930 erst hatte man Ovator übernommen, das einst zur Westdeutschen Mühlenwerke GmbH gehörte.



Nach und nach vergrößerte sich der Betrieb. Nicht zuletzt auch durch die Entstehung der weiteren Standorte, wie beispielsweise 1962 in Bamberg und 1966 in Mannheim. Mit diesen schloss man sich 1994 zusammen. Dazu gehörte auch die erst 1990 gegründete sächsische Muskator-Werke Tierernährung GmbH & Co. KG Riesa.


Die ersten Umbrüche kommen auf das Unternehmen zu
Erste Umbrüche gab es im Unternehmen in den 2000er Jahren. So musste der Standort Riesa ein Getreidesilo verkaufen, später wechselte in Mannheim die Unternehmensleitung an das Unternehmen Aveve. Doch auch der Betrieb in Düsseldorf geriet in Schieflage.


Der Umsatz ging zurück, bis am 7. März 2013 ein Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Wenige Tage später, am 28. März, wurde gänzlich der Betrieb eingestellt. Seitdem wartet die Anlage auf einen Investor.


Besonders an dieser Anlage war die sozusagen hauseigene Tankstelle – direkt vor der Fabrik. Auch sie wurde stillgelegt, allerdings bereits drei Jahre vor dem Insolvenzantrag. Das Amtsgericht Düsseldorf hatte als zuständiges Insolvenzgericht Rechtsanwalt Bernd Depping zum vorläufigen Insolvenzverwalter gemacht. „Wir werden uns nun gemeinsam mit der Geschäftsführung einen Überblick über die aktuelle wirtschaftliche Lage verschaffen müssen und dann aus dieser Analyse die Sanierungschancen ausloten. Unser Ziel ist es, den Geschäftsbetrieb so reibungslos wie möglich fortzuführen“, so Depping damals. „Parallel dazu werden wir das Insolvenzgeld für die 56 Beschäftigten vorfinanzieren, damit seit Januar ausstehenden Löhne und Gehälter gezahlt werden können.“


Eine starke Marke macht sich nicht bezahlt

Auch seitens der Futtermittel-Fabrik Muskator war man zuversichtlich. Michael Moll, Geschäftsführer der Muskator-Werke, betonte damals in einer Mitteilung: „Wir verfügen über eine starke Marke, unsere Mitarbeiter sind für ihre verantwortungsvolle Aufgabe bestens qualifiziert und bei Kunden und Lieferanten bekannt. Wir werden den vorläufigen Insolvenzverwalter Depping nach unseren besten Kräften unterstützen.“


Doch es kam auch zum Streit zwischen den Mitarbeitern und Lieferanten und der Stadt Düsseldorf, auf deren Gelände die Fabrik teilweise steht. Die Mitarbeiter gaben der Stadt die Schuld, mitverantworlich an der Misere zu sein, da sich immer wieder Vertragsverhandlungen in die Länge gezogen haben oder gar geplatzt sein sollen.

Erbbaurecht auf dem Gelände

Denn bei dem Gelände, auf dem Muskator steht, handelt es sich um Erbbaurecht. Das Gelände gehört zwar der Stadt, die Gebäude aber Muskator. Um Schulen abzubauen hatte die Firma Teile der Erbpacht-Grundstücke wieder an die Stadt gegeben. Für die Gebäude hätte die Stadt Entschädigungen zahlen sollen. Doch ein Termin dafür ist nie zustande gekommen, die Zahlungen hat es daher nie gegeben. Seitens Muskator hieß es damals immer wieder, dass die Fabrik dadurch hätte gerettet werden können. Nun aber ist das Grundstück verlassen.



Nach der Insolvenz soll es erneut Schwierigkeiten mit der Stadt gegeben haben. Ein Termin über eine Grundstückrückgabe mit der Stadt sei geplatzt, kurz vor dem Notartermin. Die Stadt könne „den ausgehandelten Vertrag auf unbestimmte Zeit nicht unterschreiben, da die Bezirksregierung für das Hafengebiet eine neue Überschwemmungsverordnung erlassen wolle“, die die Pläne der Stadt für die Flächen unmöglich gemacht hätte, heißt es.


Seitdem tut sich nichts auf dem Gelände, weite Teile der Verwaltung, der Kantine und weitere Abschnitte zerfallen immer mehr – das liegt auch mitunter daran, dass scheinbar Horden von Raufbolden in den Gängen gewütet haben. Alles ist zertrümmert, herausgerissen und liegt verteilt auf dem Boden im und außerhalb des Gebäudes. Ein Aderlass, der etwas anderen Art.

 
 

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