Der Traum vom Dessousladen

Premiere Altweiberfrühling im Kulturhaus
Premiere Altweiberfrühling im Kulturhaus
Foto: Jakob Salzmann

Lüdenscheid.. Knatschrote Dessous – wohlgemerkt für die Herren hinter der Bühne – gibt’s bei einer Premierenfeier nicht alle Tage. Beim „Altweiberfrühling“, mit dem „Das Ensemble“ (Berg) am Donnerstagabend im ausverkauften Kulturhaus eine rundum gelungene Premiere feierte, sorgte die Reizwäsche für zusätzliche Lacher.

Wunderbar und anrührend gespielt, lehrte die charmante Komödie von Stefan Vögel – nach dem Drehbuch des Films „Die Herbstzeitlosen“ von Sabine Pochhammer und Bettina Oberli für die Bühne adaptiert – Jung und Alt, dass es für die Verwirklichung von Lebensträumen nie zu spät ist. Katerina Jacob führte Regie bei dem herzerwärmenden Stück, das frech, witzig und delikat von der Würde des Alters und dem Recht auf ein selbst bestimmtes Leben erzählte.

Ausgerechnet eine schicke Dessous-Boutique mitten im Dorf war der Mädchentraum der verwitweten Martha Jost (Ellen Schwiers), die sich nach dem Tod ihres Mannes auf ihre einstige Tätigkeit als Schneiderin mit Spezialausbildung in Miederwaren besann. Der Tatkraft ihrer Freundin Lisi war es zu verdanken, dass es nicht nur beim Träumen blieb und aus Marthas Gemischtwarenladen die Boutique „Petit Paris“ mit feiner, selbst geschneiderter Spitzenwäsche wurde. Der Aufschrei, der prompt kam, war schwerlich zu überhören.

Traum vom Onlineshop für Dessous

Aus tragischen Anfängen mauserte sich das Stück zu einem zauberhaften Komödienhit, der viel Zwischenbeifall und tosenden Schlussapplaus erhielt. Im Festtagsornat, ganz in Schwarz, legte sich Martha zu Beginn des Stücks mit schöner Regelmäßigkeit zum Sterben hin. Am Ende – modisch gekleidet – war sie Chefin eines florierenden Online-Shops für Dessous mit Trachtenmotiven, schneiderte für „Bollywood“ und hatte im Altersheim ganze Stickkolonnen am Start. Selbst der Bürgermeister, neben Sohn Walter ihr schärfster Widersacher, gab am Schluss klein bei.

Tragik und Komödie vereint

Köstlich, wie die lebenslustigen Altchen dem Dorfoberhaupt mit ihrer frechen, amüsanten Dessous-Präsentation beim Chorfest den Boden unter den Füßen wegzogen. Eine tolle, intensiv spielende Darstellerriege hatte Katerina Jacob, deren Bühnenfassung des Schweizer Erfolgsfilms mit viel Liebe zum Detail und aufwendiger Ausstattung punktete, um sich geschart. Jede Rolle, voran die der Martha Jost – eine Paraderolle für ihre Mutter Ellen Schwiers – war hervorragend besetzt. Das Tragische wie das Komödiantische der Figur brachte die große Schauspielerin kongenial auf den Punkt.

Als Paradiesvogel Lisi Bigler, deren Pioniergeist alle ansteckte, wirbelte Eva Röder durch die fesselnde Tourneeproduktion. Dagmar Hessenland glänzte als elegante Frieda, die im Altersheim ihren eigenen Kopf behielt. Als Vollblutkomödiantin entpuppte sich Hilde Vadura, die als Hanni alle Bevormundung abschüttelte.

Gerhard Mohr und Holger Schwiers verfolgten mit Marthas Laden eigene Pläne und legten ihr, wo es nur ging, Steine in den Weg. Mohr als Pfarrer mit doppelter Moral. Schwiers als Bürgermeister und „Kotzbrocken“. Just mit Lisis Tochter Shirley (Caroline Hetényi) unterhielt der „keusche“ Pfarrer, Marthas Sohn, ein Verhältnis.

 
 

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