Der Star unter den Armen

Dortmund. So viel Rampenlicht war nie: Gleich mehrfach hat es Oberbürgermeister Ullrich Sierau am Dienstagabend in die wichtigsten Nachrichten-Programme der großen Fernsehanstalten gebracht. Mit seinem markigen Spruch, der Ost-Soli sei - aus Sicht des darbenden Reviers - ein „perverses System“, hob sich Dortmunds politische Spitzenkraft im Klagegesang der Ruhrgebiets-OB mit der mit Abstand schrillsten Stimme hervor. Das brachte ihm neben den gleißenden Scheinwerfern sicher auch im Halbschatten der Stammtische Punkte ein.

In Kauf nehmen muss Sierau dabei, dass sich die Blicke der ganzen Nation nun auf die Schattenseiten einer Region richten, die sich in den vergangenen Jahren so angestrengt als Aufsteiger feiern ließ, dass es manchmal peinlich war. Ein Ranking nach dem anderen bescheinigte besonders Dortmund die besten Zukunftschancen.

Noch bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren wollte Sierau Dortmund zum „Star unter den Städten“ machen. Jetzt aber macht er die einwohnerstärkste Kommune des Ruhrgebiets zum Wortführer einer Reihe von Städten, „die so heruntergekommen aussehen, als lägen sie nicht mehr in Deutschland“, wie die Süddeutsche Zeitung es bitter beschreibt.

Die schonungslose Bestandsaufnahme - sie ist zugespitzt, aber nicht falsch. Falsch war es, Dortmund überhaupt derart hochzujubeln. Doch damit ist jetzt ja sicher sowieso Schluss. Denn wer den Ruhr-Soli fordert, der muss auch sagen, wofür. (Kommentar: Michael Kohlstadt, WAZ)