Der Sieger: ein Verlierer

Stefan Scholl

Wladimir Putin hat die Wahl wie erwartet gewonnen. Aber die Rechtmäßigkeit dieses Sieges ist fadenscheinig.

Am Wahltag häuften sich Meldungen über Manipulationen. Wie entscheidend sie für Putins Erfolg gewesen sind, wird sich vielleicht bald herausstellen. Vielleicht aber nie. Jedenfalls werden wieder Zehntausende Russen aus Protest auf die Straße gehen.

Gut möglich, dass Putin selbst davon überzeugt ist, er werde Russland die nächsten sechs Jahre ganz legitim regieren. Mit Hilfe der Fernseh-Gehirnwäsche, mit Angstmache vor alten Kalten Kriegern, mit Drohungen und Druck von oben mag sein Apparat wirklich einen großen Teil der Russen an die Wahlurnen gebracht haben.

Aber das ändert nichts daran, dass Putin verloren hat. Er hat die Hälfte Russlands verloren. Es ist die aktivere Hälfte. Unternehmer, die sich nicht länger von der korrupten Bürokratie schikanieren lassen wollen. Studenten, die keine Chance auf einen sozialen Aufstieg haben. Und Menschen aller Schichten und Altersklassen, die Putin und sein Regime inzwischen zu lächerlich finden, um es weiter zu fürchten. Russland ist in Bewegung geraten – ohne Wladimir Putin.