Der Frosch ist noch da

Seit einem Jahr steht der (fahrbereite) Loremo-Prototyp bei der Dorstener Firma Moclean.
Seit einem Jahr steht der (fahrbereite) Loremo-Prototyp bei der Dorstener Firma Moclean.
Foto: WAZ FotoPool

Dorsten / Marl.. Der Mietvertrag ist seit Ende Juni abgelaufen, das wenige Büroinventar ist versandfertig verpackt, vom einstigen Unternehmen sind neben dem Namen vermutlich nur noch zahlreiche Schulden übrig.

Nein, etwas mehr erinnert in Dorsten doch noch an Loremo. Der Wagen, um den es einmal ging, der eigentlich im Zentrum allen Strebens, aller Pläne, aller Entwicklungs-Anstrengungen stand, der ist noch da. Zwei Vehikel, zwei Hüllen des sparsamen Wunderautos, sind in den letzten Jahren gebaut worden. Ein gut gestyltes, aber fahruntüchtiges Showcar. Und ein Prototyp. Der schlummert seit Oktober in einer Halle im Stadtsfeld.

Als Jörn Moldenhauer die Abdeckung beiseite zieht, kommt darunter ein Etwas hervor, das vielleicht das Herz eines halbwüchsigen Buben höher schlagen lässt. Aber das eines ausgewachsenen, rational denkenden Mannes? Das eines Entwicklers? Alles ist wackelig an diesem schmalen Gefährt auf vier Rädern. Und selbst die sehen nicht nur so aus, als wär’s das falsche Paar Schuh‘, sie gehören auch nicht wirklich dahin: „Die stammen eigentlich von einem Golf“, sagt Jörn Moldenhauer. Der 32-Jährige öffnet die Motorhaube, Verzeihung, das ist ja der Einstieg. Viele Kästen sind zu sehen, ein Lenkrad. Keine Verkleidung, schnöde Funktionalität. Theoretisch kann das Auto fahren. Praktisch muss man für den Loremo ein zwergenhafter Hungerhaken sein, um ans Steuer zu passen.

Die Heckklappe löst nur noch Kopfschütteln aus. Wo andere Mobile ein Schloss haben, sitzt Klettband. „Da ist nichts ausgereift“, sagt auch Jörn Moldenhauer. Er hat den Wagen auch nicht etwa in seiner Halle stehen, weil er von dessen Konstruktion überzeugt ist, sondern, weil er vor Monaten von seinem Werkstattpfandrecht Gebrauch gemacht hat. „Die Geschichte von Loremo und unserem Unternehmen Moclean ist kurz und knapp erzählt – aber es gibt sicherlich viele Stellen, an denen Sie den Kopf schütteln werden“, warnt der Geschäftsführer vor.

Es ist eine Story, die ein wenig an Münchhausen erinnert. „Nur dies hier ist reales Leben“, sagt Moldenhauer.

Er hatte mit seiner Mannschaft im vergangenen Jahr den Auftrag, den Loremo für die IAA „aufzuhübschen“, wie er es nennt. „Er sollte so umgestaltet werden, dass er nach Auto aussieht.“ Also grasgrün statt weiß. „Es handelt sich halt um einen Prototypen“, bremst Moldenhauer zu hohe Erwartungen. „Aber er ist funktionstüchtig. Das Showcar macht optisch was her, sieht richtig edel aus, fährt aber nicht.“ Also bekam auch der fahrbare Untersatz etwas Make up, wurde bei der IAA bestaunt – und auf dem Rückweg nach Dorsten demoliert.

Jörn Moldenhauer: „Der Loremo landete also wieder bei uns in der Werkstatt, sollte erneut bearbeitet werden. Nur rausgegeben habe ich ihn dann nicht. Ich hatte für die erste Arbeit noch kein Geld gesehen und habe deshalb auf Bezahlung bestanden.“ Einen Cent, geschweige die inzwischen auf „ zwischen 10- und 20 000 Euro angelaufene Summe“ – habe er bis heute nicht gesehen. „Man hat mir statt des Geldes einen Posten als Marketing-Manager bei Loremo versprochen. Dann sollte ich auch komplett die Produktion des Wagens übernehmen,“ erzählt Jörn Moldenhauer, „sollte dafür hier an der Barbarastraße große Hallen bauen. Namhafte Designer und Ingenieure sollten nach Marl kommen und die Praktikanten, die bis dato am Werk waren, ersetzen. Ich habe die Finger davon gelassen.“

Jörn Moldenhauer hat gut daran getan. Der 32-Jährige hält den Wagen fest, bis rechtlich alles geklärt ist. Es ist sein Spatz in der Hand. Und mit dem hat der Dorstener seine eigenen Pläne: „Es gibt durchaus Menschen, die sich für das Auto begeistern. Das Ding gibt‘s halt nur einmal. Und es fährt ja auch. Ich werd’s wohl versteigern. Ich kenn‘ Leute, die da bestimmt mitbieten.“

Und wenn’s mit den Geboten nichts wird? Der Jungunternehmer lässt die Augen blitzen: „Dann schenk‘ ich das Auto der Stadt Dorsten. Als grüne Kunst, mit Baum drin.“

 
 

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