Der FDP fehlt der liberale Teamgeist

Guido Westerwelle und der FDP-Generalsekretär Christian Lindner. Foto: Michael Gottschalk/ddp
Guido Westerwelle und der FDP-Generalsekretär Christian Lindner. Foto: Michael Gottschalk/ddp
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Berlin. Der innerparteiliche Druck auf Guido Westerwelle nimmt zu. Wieder werden Rücktrittsforderungen laut. Doch ein Rückzug vom Parteivorsitz würde die Probleme der Liberalen nicht lösen. Ein Kommentar.

Rüdiger Linsler also. Man muss sich den Namen nicht groß merken. Selbst in der FDP kennt ihn nicht jeder. Aber was der Generalsekretär der Saar-Liberalen denkt und öffentlich ausgesprochen hat, teilen viele Liberale, seit Blau-Gelb von gut 15 auf 5 Prozent abgeschmiert ist: Guido Westerwelle soll endlich ein Opfer bringen, um den beständig übellaunigen Gott der Umfragen zu besänftigen. Er soll den Parteivorsitz in andere Hände legen. Und sich als Außenminister mit ganzer Kraft um die Rettung der Welt kümmern.

Wenn es nur so einfach wäre. Die Forderung nach Macht- und Präsenzteilung ist ebenso ein Zeichen von Ratlosigkeit und Verwirrung wie die seltsame Dankbarkeit und Treue derjenigen, die den unter akuter Atemnot leidenden Expeditionsleiter Westerwelle nicht von jenem Berg schubsen wollen, auf die er die Liberalen im Herbst 2009 geführt hat.

Gewiss, der Rücktritt eines Parteichefs in prekärer Lage, kann im besten Fall kurz neue Kräfte freisetzen und hinderliche Blockaden abbauen. Die Lösung aller grundlegenden Probleme ist er nie. Zumal Westerwelle bereits unter verschärfter politischer Führungsaufsicht steht. Das Verfallsdatum seiner Spitzenrolle ist in gut sieben Monaten. Solange kann man noch warten.

Erste Garde muss sich emanzipieren

Wenn bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz allzu drastische Quittungen auch für dann 18 Monate schwarz-gelbes Gerumpel in Berlin ausgestellt werden, wofür manches spricht, wird die FDP persönlich besorgen, was Westerwelle zu Beginn des Jahres in seiner typisch trotzig-verkrampften Art den Medien noch abgesprochen hat: „Ihr kauft mir den Schneid nicht ab!“

Anstatt das ritualhafte Stützen-oder-Stürzen-Gedankenspiel weiter zu treiben und der Früh-Vergeudung von Talenten wie Generalsekretär Christian Linder das Wort zu reden, muss die erste Garde der FDP sich programmatisch-inhaltlich von Westerwelle emanzipieren. Er trägt eine gehörige Portion Schuld daran, dass die Partei das miserable Image der Möchtegern-Steuersenker nicht los wird. Allein verantwortlich dafür, dass die FDP in einem Fünfparteiensystem gerade ihr politisches Existenzminimum verspielt, ist er nicht.

Der Ehrenvorsitzende Hans-Dietrich Genscher hat seiner Partei eine glaubwürdige Verbreiterung der Themenpalette empfohlen. Aber ja doch. Nur: Themen brauchen viele gute Köpfe, die für sie stehen. In Partei wie Fraktion. Im Bund wie in den Ländern. Wo sind diese Köpfe? „Die Stärke und Größe einer Partei bemisst sich daran, wie sie im Team auch schwierige Phasen meistert.“ Der Satz stammt von Guido Westerwelle. Aber darum ist er ja nicht automatisch falsch.

 
 

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