Der Drecksack vom Dienst

Seit 15 Jahren schraubt der gelernte Maschinenschlosser Ingo Appelt an Tabu-Themen herum und klopft die Be- und Empfindlichkeiten der Nation auf ihre Sollbruchstellen ab. freizeit-Mitarbeiter Sven-Lukas Müller sprach mit dem gebürtigen Essener über Beschwerden, Bobfahrer und den Bürzel des Bösen.

Herr Appelt, ich bin irritiert: Jemand hat Ihnen den Bürzel von der Stirn geklaut.

Ingo Appelt: Ich hatte den nur mal für 'ne Sendung weggemacht, und da hieß es plötzlich: „Das siacht viel besser ouss wia diesa Teufelsfrisur, des muasst du so lossen!” Und wenn selbst der Michael Mittermeier das sagt, dann ist wohl was dran. Also ist der Bürzel jetzt weg, und ich gelte plötzlich als ganz liebevoller Mensch. Aber wenn ich den Mund aufmache, kommen immer noch die fiesen Kröten raus. Das ist so bitter!

Ochje, Sie Ärmster!

Related contentAppelt: Nein, ich bin nicht arm! Bitte kein Mitleid, das ertrage ich nicht. Das sagt meine Frau nämlich auch: „Ach du Armer.” Hör auf damit!

Okay, arm sind Sie nicht, aber was anderes mit „A” schon: ein Atheist, oder?

Appelt: Ja, eigentlich bin ich das. Aber ich wohne jetzt seit zwei Jahren in Overath im Stadtteil Marialinden, das ist ein Wallfahrtsort, und die haben auf meiner Steuerkarte einfach „römisch-katholisch” eingetragen. Also bin ich neuerdings so etwas wie ein katholischer Atheist. Wenn ich mir jetzt noch einen Heiligenschein aufsetze, reicht das vielleicht schon zum Heiland …

In Ihrem Programm sind Sie immerhin schon als „Retter der Nation” unterwegs. Wovor bewahren Sie uns denn 2008?

Appelt: Ach, das ist gar nicht so wichtig. Mir geht es vor allem um den Titel, analog zur „Mutter der Nation”. Inge Meysel ist tot, Frau Ferres bemüht sich, wir haben Frau Merkel, die Supernanny, Tine Wittler und Eva Herman. Wir werden geradezu totgemuttert. Da möchte ich gegenhalten, denn als Mann hat man ja heute wenig Möglichkeiten: Entweder bist du zu Hause „Hartzvierempfängervollidiotarschlochdepp” oder der Superheld. Dazwischen gibt es nichts mehr.

Und da können Sie helfen?

Appelt: Mein Thema ist die Verdrängung der Männlichkeit. Alles ist von weiblichen Bedürfnissen geprägt: Wichtig sind nur noch Einkaufen und gutes Aussehen, und wir Jungs müssen da irgendwie mithalten. Die Frage lautet: „Wie wird man als Mann zu einem guten Dienstleister?” Das ist für soeinen Drecksack wie mich natürlich sehr schwer.

Dass Sie aber auch immer so böse Dinge tun müssen …

Appelt: Also, ich habe wirklich keine Ahnung, was Sie damit jetzt meinen (lacht).

Früher haben Sie doch gerne mal Schilder mit Kraftausdrücken in die Kamera gehalten und in Ihrer Show Kinderpuppen durchs Studio getreten. Im Gegenzug hat Pro7 dann ja Ihre Sendung rausgekickt.

Appelt: Ach, das war doch alles gar nicht wirklich von mir. Im Internet gab's so ein Filmchen, da haben böse Omas Kinder durch die Gegend getreten. Ich fand das lustig, machte das nach, und schon flog ich damit auf die Fresse. Das „Ficken”-Schild habe ich auch nicht erfunden. Damit hat eine feministische Aktivistin angefangen, die rannte damit 1972 durch die NDR-Talkshow. Aber wenn ich solche Sachen mache, beschwert sich prompt der CSU-Landesfrauenverband. Eigentlich habe ich immer nur mit Frauen Schwierigkeiten.

Sie sind ein Macho, oder?

Appelt: Nee, ich doch nicht. Der Macho wird ja definiert als jemand, der das andere Geschlecht herabsetzt, der brüllend und grölend durch die Weltgeschichte rennt und sich ständig selber ans Geschlechtsteil packt. Was da beschrieben wird, ist eigentlich eine Mischung aus Eva Herman, Mirja Boes und Cindy aus Marzahn. Aber als Mann kommt man dabei doch gar nicht mehr vor.

An welchen Tabus können Sie denn heute noch rütteln?

Appelt: Genau das will ich ja herausfinden: Was kann ich eigentlich tun, ehe ich von der Bühne gepfiffen werde? Toll ist doch, dass mich am Ende alle wieder lieb haben, dann heißt es: „War 'ne harte Tour, Appelt, aber war super.”

Und wenn Sie sich jetzt bitte noch an 1992 erinnern möchten, als Sie für Österreich die Goldmedaille im Viererbob holten?

Appelt: Ja mei, das war wirklich eine tolle Zeit damals (lacht). Mit diesem Namensvetter, dem Ingo Appelt aus dem Stubaital, muss ich wohl leben. Da war ich übrigens mit 17 tatsächlich mal zum Skifahren und habe mir ausgerechnet in dessen Laden Skier ausgeliehen. Der Typ hinter der Theke guckt auf meinen Ausweis: „Eh, der heißt genau wie der Chef.” Ja, und direkt danach bin ich berühmt geworden.

 
 

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