Der BVB schreibt Geschichte

Der BVB ist mit einer Mannschaft Meister geworden, die auf Grund ihrer Herkunft einen Identifikationsstatus bei den Fans hat, der höher ist als bei jeder anderen Mannschaft der jüngeren Klubgeschichte.

Dortmund. Borussia Dortmund ist Deutscher Meister. Fünf Wörter, die mit Worten nicht zu beschreiben sind. Die unbeschreiblich sind. Wie die Gefühle, die dieser siebte Titelgewinn in und um Dortmund auslöst. Pure Freude ist da zuerst. Dann die Gewissheit, dass es diesmal die Richtigen geworden sind. Auch Stolz ist da. Auf eine Mannschaft, die sich an sich selbst berauschen kann. Auf den Verein, der noch vor sechs Jahren „im Vorzimmer der Pathologie“ lag. Auf die Region und ihre Menschen, denen von Kohle, Stahl und Bier einzig Borussia geblieben ist.

So unbeschreiblich diese Gefühle sind, so erklärbar ist der Erfolg des BVB. Schließlich wurde im Trainingszentrum in Brackel nicht gezaubert, sondern gearbeitet.

Mit Akribie und Fleiß, vor allem aber mit ganz viel Vertrauen, mit Zutrauen in die eigenen Möglichkeiten. Die sind und bleiben finanziell überschaubar. Der BVB hat – vielleicht ist dies die größte Leistung – keinen Milliardär im Schoß und keinen Weltkonzern im Rücken. Dafür aber hat er eine Philosophie. Geboren aus der Not, aus der sie eine Jugend machten.

Mats Hummels und Neven Subotic waren 19, als sie Stammspieler wurden. Marcel Schmelzer durfte mit 21 sein eigenes Vorbild beerben. Nuri Sahin, man vergisst das leicht, ist heute immer noch erst 22. Chefstratege mit 22. Sven Bender ist mit 21 seine bessere Hälfte auf der Doppelsechs. Mario Götze hat mit 17 debütiert, Kevin Großkreutz und Shinji Kagawa mit 21.

Natürlich war es auch gefährlich, diesen Weg zu ge­hen. War es mutig. Vielleicht ist es eine der größten Stärken von Trainer Jürgen Klopp, dem besten Neuzugang der jüngeren Vereinsgeschichte, dass er bedingungslos vertrauen kann. Dass er an Spielern, an jungen Spielern, festhält, auch wenn die mal zweimal schlecht spielen; auch wenn ein erfahrener, verdienter Spieler wieder ge­sund und einsatzwillig ist. Vertrauen ist die Basis seines Konzepts und damit für die Nachhaltigkeit desselben.

„Wir schreiben wieder Geschichte“, hatte dieser Klopp schon nach der Vorsaison und der Rückkehr nach Europa gesagt. In der Tat, das tut der BVB. Er tut dies mit jungen Fußballern, die vor allem richtig gut kicken können. Für die darüber hinaus – so pathetisch dies klingen mag – aber auch Ideale wie Kameradschaft und Zusammenhalt wieder etwas bedeuten. Der BVB tut dies mit einer Mannschaft, die auf Grund ihrer Herkunft einen Identifikationsstatus bei den Fans hat, der höher ist als bei jeder anderen Mannschaft der jüngeren Klubgeschichte.

Für die, die es noch gar nicht glauben können, noch einmal Schwarz auf Gelb: Borussia Dortmund ist Deutscher Meister. Fünf Wörter – ein unbeschreibliches Gefühl. Danke dafür! Und: Herzlichen Glückwunsch!

 
 

EURE FAVORITEN