Depeche Mode: Unendliche Weiten...

Berlin. Sonntag in einem Berliner Luxushotel: Depeche-Mode-Sänger Dave Gahan wirkt bereits ein wenig erschöpft, als wir ihn zum Interview treffen. Aber Cola und Kippen halten den längst Drogen-abstinenten Star wach. Aufgeräumt gibt der 46-Jährige Auskunft übers neue Album „Sounds Of The Universe”.

Dave, du hast lange darunter gelitten, dass Martin Gore alle Songs schrieb. Hat's dir geholfen, dich auf deinen Soloalben austoben zu können?

Gahan: Ganz sicher. Martin respektiert mich endlich als Songwriter. Ich mag diese Konkurrenz innerhalb der Band, das ist gesund. Aber ich habe jetzt nicht mehr ständig diesen Druck, es allen zeigen und beweisen zu müssen.

„Sounds Of The Universe” ist ein Album mit Biss, oder?

Gahan: Ja, wir haben im Studio diesmal etwas gefunden, was wir für einige Zeit zu verlieren drohten: nämlich die Reibung, die Kraft der Songs. Die neuen Lieder sind einfach ungemein griffig und packend. Martin und ich, wir haben uns richtig gut verstanden, was ja nicht immer der Fall war. Martin hat dem Alkohol abgeschworen. Und zu seiner eigenen Überraschung hat es ihn nicht davon abgehalten, kreativ zu sein.

Seit wann ist Martin trocken?

Gahan: Während der letzten Tour meinte er plötzlich: „Ich halte das nicht mehr aus.” Er hat viel durchgemacht in den letzten Jahren, seine Scheidung hat ihm zugesetzt. Anfangs war es hart für ihn. Er ist dann nach den Konzerten immer direkt ins Hotel gegangen, um gar nicht erst in Versuchung zu kommen.

Sind Depeche Mode jetzt so gesund wie nie zuvor?

Gahan: Ich denke, das lässt sich so festhalten. Nur Fletch (Andy Fletcher, die Red.) trinkt noch, aber maßvoll. Martin und ich sind vom Kopf und vom Körper her in der Tat in einer hervorragenden Verfassung.

Was bringt dir ein klarer Kopf konkret im Leben?

Gahan: Das Leben besteht aus Aktionen und Konsequenzen. Ich habe das vor über zehn Jahren gespürt, als mich das Heroin buchstäblich fast unter die Erde gebracht hätte. Und Martin fühlte es jetzt vor kurzem. Seit ich keine Drogen mehr nehme, kann ich viel mehr leisten, als ich es für möglich gehalten hätte. Ich hatte damals durch das Zeug meine Ziele verloren. Wenn du aber nach Jahren wieder vollständig klar bist, dann nimmst du die Welt um dich herum ganz anders wahr, viel deutlicher und auch schöner.

Wie sieht es bei dir privat aus? Lässt du den Sänger an der Eingangstür zurück, wenn du nach Hause kommst?

Gahan: Wenn ich zu Hause bin, dann bin ich Dad. Und Ehemann. Es ist wie bei anderen Berufstätigen auch.

Wie schaffst du die Umstellung, wenn du von einer Tour nach Hause kommst?

Gahan: Dieser Übergang ist der schwerste. Auf einer Tour wird dir jeder Pipifax abgenommen, dadurch verkümmert deine Selbstständigkeit. Man wird unweigerlich ein bisschen zum Pascha. Um davon runterzukommen, passe ich mich direkt dem Rhythmus meiner Familie an: Ich stehe früh auf und mache allen Kaffee.

Wisst ihr denn schon, welche Lieder ihr auf der kommenden Tour spielen werdet?

Gahan: Das wird natürlich immer schwieriger, weil es immer mehr Songs zum Aussuchen gibt. Von diesem Album sind wir so sehr begeistert, dass wir mindestens sechs oder sieben Songs daraus spielen wollen. Bleiben also höchstens noch 15 von unseren alten Hits. Unterm Strich gibt's nur noch wenig Platz für seltene B-Seiten.

Wie kommt es, dass ihr nach fast 30 Jahren immer noch erfolgreicher werdet?

Gahan: Ich bin selbst darüber erstaunt. Ich kenne die Antwort nicht wirklich. Aber es sieht so aus, als blieben die alten Fans uns treu, während wir immer noch von jungen Menschen neu entdeckt werden.

Wird es Depeche Mode geben, so lange ihr lebt?

Gahan: Je länger du eine Band am Laufen hältst, desto härter musst du an dir arbeiten. Stillstand ist gefährlich bis tödlich. Gäbe es für mich selbst nicht das Gefühl, ich würde weiter wachsen und mich entwickeln, hätte diese Band ihren Reiz für mich verloren.

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