Demenz - eine ganze eigene Welt

Claudia Behlau
Viele Interessierte verfolgten am Mittwoch die erste Fachtag Demenz.
Viele Interessierte verfolgten am Mittwoch die erste Fachtag Demenz.
Foto: Dietmar Wäsche

26 Institutionen helfen weiterVolkskrankheit Demenz. Immer mehr Menschen sind betroffen.

Bergkamen. Etwa Hans-Günther Schmidt (Name geändert). Der 74-jährige Bergkamener ist seit zwei Jahren an Demenz erkrankt. Und zwar sehr schlimm erkrankt. Bei ihm hat die Krankheit den Status des „mal eben etwas vergessen“ längst überschritten. Hans-Günther Schmidt, der von seiner Frau zu Hause gepflegt wird, hat keine Kontrolle mehr über sein Sprachzentrum, kann kaum noch reden. Und seine Tochter erkennt er auch nicht mehr. Sie war deshalb eine der weit über hundert Interessierten, die am Mittwoch an der 1. Bergkamener Fachtagung Demenz teilgenommen haben.

Dort informierte Dr. Svenja Sachweh, Mitglied der Ethik-Kommission der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft, über die Möglichkeit der Verständigung mit Erkrankten. Und der Pflegewissenschaftler Detlef Rüsing sprach über die neuen Ansätze in der Begleitung von Betroffenen.

Doch vor allem ging es um Informationen vor Ort. 26 Institutionen haben sich mittlerweile im Bergkamener Netzwerk Demenz zusammengeschlossen. Sie stellten sich und ihre Hilfsangebote im Rathaustrakt vor - vom Pflegedienst über den Betreuungsverein bis zur psychosozialen Beratung, Wobei alle Fäden im städtischen Seniorenbüro zusammenlaufen. Dort werden auch Schulungen für Demenzbegleiter vermittelt oder der Kontakt zur Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige hergestellt.

Was es überhaupt bedeutet, an einer der über 50 verschiedenen Demenz-Krankheiten zu leiden, konnten die Besucher bei einem Demenzparcours selbst einmal erleben. Dort sollte man in einer Kiste - nur mit Hilfe eines Spiegels - Schuhe zuschnüren, sich Flüssigkeit auf einen Löffel träufeln oder „Mensch ärgere Dich nicht“ spielen. Das Ergebnis: Fast alle Probanden scheiterten. Denn plötzlich waren für sie vorn und hinten nicht mehr zu koordinieren, ebenso wenig die linke und rechte Hand. „In der Realität gibt natürlich Betroffene, die diese Schwierigkeiten gar nicht mehr registrieren. Aber andere merken ihre Probleme und werden dann aggressiv“, sagte Marco Pfaff von Gerdas Pflegedienst.

TERMINE

Drei kostenlose Vorträge zum Thema Demenz werden demnächst in Bergkamen angeboten:

Warum benimmst Du dich so? 8. Mai, 17 Uhr, Pfarrheim St. Elisabeth, Parkstraße 2.

Ernährung bei Demenz. 22. Mai, 17 Uhr, LWL-Tagesklinik, Erich-Ollenhauer-Straße 7.

Vorsorge getroffen? 5 Juni, 17 Uhr, Seniorenhaus Sophia, Lüttke Holz 26.

Weitere Infos gibt es im Seniorenbüro, (02307) 954-410.