Dem Feind ins Gesicht sehen und lächeln

Ferien vom Krieg: Veranstaltung im der Gesamtschule, mit Eliana Almog (Israel) und Mohammad Awad (Palästina).
Ferien vom Krieg: Veranstaltung im der Gesamtschule, mit Eliana Almog (Israel) und Mohammad Awad (Palästina).
Foto: Dietmar Wäsche
Über das Projekt „Ferien vom Krieg“ und ihre eigenen Erfahrungen berichteten gestern der Palästinenser Mohammad Awad und die Israelin Eliana Almog in der Gesamtschule.

Kamen. Mohammad Awad ist Palästinenser, Eliana Almog Israelin. Beide haben die, die sie liebten, durch tödliche Schüsse verloren. Weil es in ihrer Heimat immer wieder zu Konflikten und militärischen Auseinandersetzungen kommt, es für Palästina und Israel kein Miteinander gibt. Trotzdem berichteten die beiden gestern gemeinsam vor Gesamtschülern der 12. Jahrgangsstufe über Wege, Hass und Gewalt überwinden.

„Ferien vom Krieg“ ist ein Pfad, der junge Israelis und Palästinenser weit weg vom Alltag wieder zusammen führt: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus verfeindeten Gebieten können im Rahmen des Projektes Ferien in Deutschland verbringen. „Wir bemühen uns um Aussöhnung, wollen mit unserer Aktion beiden Seiten die Möglichkeit geben, die anderen zu verstehen, hautnah die Ängste und Hoffnungen zu spüren,“ erklärt Rose Kasabre-Bauer. „Gewalt kann man nur mit Dialog begegnen.“

Bis Mohammad Awad sich auf den Dialog mit den Israelis einließ, war es ein weiter Weg. Heute ist sein Ziel ein freies Land für Palästinenser und Israelis, doch das war mal ganz anders. „Eigentlich leben wir nur einige Meter von einander entfernt, vom Dach meines Hauses aus kann ich die Israelis sehen, wie sie auf ihren Feldern arbeiten, aber ich hatte 25 Jahre lang nicht eine Chance, mit ihnen zu reden“, erzählt der heute 27-Jährige. „Wir leben in Ghettos und begegnet bin ich ihnen nur an den Check-Points in Militäruniform und habe ihre Befehle entgegen genommen.“ Als er das erste Mal vom Projekt „Ferien vom Krieg“ hörte, hat er es abgelehnt. Die anderen, sie haben seine besten Freunde getötet, sein Haus zerstört. Dann aber ist er doch gefahren. Hat sich voller Wut, Hass und Aggressionen auf den Weg nach Deutschland gemacht. Und dort „dem Feind ins Gesicht geblickt.“ So hat er gedacht. Aber dann kam alles ganz anders. „Am Flughafen haben wir auf die Israelis gewartet. Und dann haben wir sie mit einem Lächeln begrüßt. Und sie haben zurück gelächelt.“

Eliana Almog berichtet von israelischen Freunden, die Angst hatten, mit den Palästinensern unter einem Dach zu schlafen. „Ich komme aus Tel Aviv, hatte ein schönes Leben, dann war ich in der Armee, habe dort den Mann meines Lebens kennengelernt, meine große Liebe, und kurze Zeit später wurde er im Libanon erschossen. Er starb und ich verstand.“ Heute engagiert sie sich unter anderem für das Projekt „Ferien vom Krieg“, weil sie so alle weit weg von zu Hause gemeinsam weinen und lachen können – und hier die Hoffnung wächst. Aber das „Warum“, die immer wieder kehrende Frage der Schüler während der anschließenden Diskussion, konnte auch sie nicht beantworten: „Hört zu, informiert euch und macht mit, es ist nicht nur mein persönlicher Traum, dass wir alle, Israelis und Palästinenser, irgendwann gemeinsam in diesem Land leben können.“

 
 

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