Das Stadion mit ohne Namen in Herne

Annika Fischer
Ausgelost: Das Stadion von Westfalia Herne am Schloß Strünkede hat einen neuen Namen. Foto: Olaf Ziegler
Ausgelost: Das Stadion von Westfalia Herne am Schloß Strünkede hat einen neuen Namen. Foto: Olaf Ziegler
Foto: WAZ FotoPool / Olaf Ziegler

Herne. Westfalia Herne hat einen neuen „Schlossherrn“ ausgelost. Wie der Platz in Zukunft heißen soll, bleibt offen. Dabei hatte der Verein den Namen für das Stadion feierlich verlost. Doch der Taufpate war nicht erreichbar.

Das Stadion von Westfalia Herne hat einen neuen Namen. Den keiner kennt. Erstmals in der Geschichte des deutschen Fußballs verloste ein Verein seinen Platz, erreichte dann aber den Taufpaten nicht, um ihn nach seinem Wunschnamen zu fragen. Die einst so ruhmreichen Herner – was soll man sagen, 2010 sind sie Amateure.

Der Gewinner ist also nicht da, viele andere sind allerdings auch nicht gekommen. Nicht mal die Aussicht auf ein „eigenes Stadion“ hat mehr Zuschauer in dasselbe gelockt: 405 meldet die Kasse. „Bochum spielt, Dortmund spielt, und das ist das Ergebnis: scheiße“, heißt es im VIP-Raum bei Frikadellen und frittierten Hühnerbeinen. „Wer kommt da noch zu uns?“, fragt Vorsitzender Horst Haneke.

1528 Lose verkauft zu 20 Euro das Stück

An diesem Tag der FC Wegberg-Beeck. Dies ist die fünfte Liga, „und die bringen keine Fans mit“. Geld auch nicht. Haneke ist froh, dass er die zweite Würstchenbude nicht aufgeschlossen hat, „lohnt sich nicht“. Die Losaktion schon, sagt Manager Ingo Finkenstein. Vor genau einem Jahr drohte dem Verein die Pleite, nun haben sie 1528 Lose verkauft zu 20 Euro das Stück. 1500 war das Mindeste, „verdammt knapp“, aber mit den 30 560 Euro wollen sie jetzt die Lücken aus der Vorsaison stopfen. Finkenstein sagt: „Vorübergehend hilft’s“, für die Rückrunde habe er weitere Ideen. Zufall wohl, dass die Lautsprecher kurz vor dem Anpfiff Aloe Blacc’s „I need a dollar“ spielen.

„Herne ist für alles gut“, hat der Vorstand gesagt und sich selbst samt Aktion „mutig“ genannt. Tatsächlich hat er auch am Sonntag eine Menge versucht. In der Halbzeitpause baut er eine Standleitung zum Strand von Alicante auf (Sonne, 25 Grad), wo die Festplatte mit den Daten aller Loskäufer samt ihrer Besitzerin gerade Urlaub macht. Der Manager persönlich geht am Anstoßkreis in die Knie, um im feuchten Rasen die Telefonnummer zu notieren – aber dann: geht der Ruf von Herne in die Welt, aber der Gewinner nicht dran. Tobias Hölkenbrink heißt er, ist aus Münster und derzeit in Hamburg unterwegs.

„Golden Outlet klingt doch besser als Fischer“

Nach der Idee vom „Vorname-Nachname-Stadion“ könnte der Platz bald „Tobias Hölkenbrink“ heißen, aber vielleicht hat der Münsteraner auch eine Freundin, eine Oma oder einen Hund: „Ich möchte gar nicht an alle Möglichkeiten denken“, sagt Haneke. „Bobo Siebenschläfer“ hat sich ein Kind gewünscht, von „Lutz Gerresheim“ sprechen zwei Männer, einem Herner Talent aus den 70ern. „Hans Tilkowski“ hat jemand wiederholt, aber das war ein Scherz, und zwar ein schlechter. Denn Tilkowski, wohl berühmtester aller Westfalen „kümmert sich doch überhaupt nicht mehr um den Verein“.

Einer, der sein „ganzes Leben hier verbracht“ hat, dessen Hund sogar einst an die Eckfahne pinkelte, hätte gern „Peters Arena“, auch wenn seine Frau Helga heißt, ein Ordner gern den Namen seines Ladens: „Golden Outlet klingt doch besser als Fischer.“ Den Spielern, war im Vorfeld zu hören, sei der Name im übrigen egal, schließlich bleibe „der Platz derselbe“. Was eine Mehrheit in der Tat dazu bringt, an Bewährtem festzuhalten: „Für immer und ewig“, übertönen sie die Ziehung, „Stadion am Schloss“. Nur hat der Manager gesagt: „Ich kann auch nicht den Fernseher von meiner Oma behalten, weil er ja ganz schön ist.“

„Herne lebt!“

Der Oberbürgermeister, der das große Los gezogen hat, hätte das Stadion übrigens „Horst Schiereck seine Frau ihr Stadion“ genannt, aber das, da hat er Recht, ist „ein alter Schalker Witz“. Und „Schalke“ hätten sie nicht genommen, „Borussia“ auch nicht und übrigens schon gar nicht „Wanne-Eickel“: Das hätte gegen die guten Sitten des Vereins verstoßen, sagt Manager Finkenstein. „Und wir haben gute Sitten!“ Unter anderem die, den Gewinner nach acht Uhr am Abend nicht mehr anrufen zu wollen.

Dennoch: „Herne lebt!“, betont der Manager oft an diesem Tag, auch wenn das Stadion ohne Namen nicht ganz danach aussieht. Bald, so steht es auf Plakaten, kommt Rot-Weiss Essen ins „Stadion am Schloss Strünkede“. Wie auch immer der Platz bis dahin heißt, zumindest wird er noch am angestammten Platz sein.