Das Nutella-Brot aus dem Drucker

Essen. Es deutet sich eine Technikrevolution gleich dem PC an: der 3D-Druck für Jedermann. Damit kann in Zukunft jeder produzieren, was und wie er es will. Klingt nach Science fiction? In Essen wurde jetzt der erste 3D-Drucker für Jedermann vorgestellt.

Die Düse des 3-D-Druckers kreist surrend über einem Blatt Papier. Schicht für Schicht trägt sie weißes Silikon auf. Ganz langsam nimmt ein kleiner Kegel Gestalt an. Kaum vorstellbar, dass diese Maschine einst die Welt radikal verändern könnte. Und doch steckt in ihr riesiges Potenzial. Davon ist Andreas Neef, Geschäftsführer der Essener Z-Punkt GmbH, überzeugt: „Wir alle könnten damit einst zu Produzenten werden, und uns unsere ganz individuellen Dinge schaffen.“

Das käme einer Revolution des Produktionsprozesses gleich: Die Trennung zwischen Hersteller und Konsument, sie wäre aufgehoben. Aus Produzenten und Konsumenten würden die „Prosumenten“. Oder anders ausgedrückt: Die Wahl der passenden Kleidung fällt nicht mehr im Kaufhaus sondern am Drucker zu Hause.

Preis sinkt - Drucker werden massentauglich

Die Technologie des 3-D-Drucks ist zwar nicht neu. Unternehmen setzen sie seit Jahren ein, um Prototypen für die spätere Produktion oder Implantate in der Medizin herzustellen. Auch die US-Armee soll sie im Irak nutzen, und sich damit Ersatzteile für die Ausrüstung ausdrucken. Allerdings: Die Technik ist teuer. Solche Maschinen kosten momentan 15.000 Dollar und mehr. Zuviel, um sie sich als Hobbybastler in den Keller zu stellen.

Doch das könnte sich bald ändern. In den USA und in England arbeiten derzeit zwei Forscherteams an 3-D-Druckern zum Selbstbauen. Die Bauanleitung dafür haben sie ins Internet gestellt als so genannte open source. Das heißt: Jeder kann sich daraus seinen eigenen 3-D-Drucker zusammenschrauben und experimentieren und mitentwickeln. Kostenpunkt für den Bausatz: 2000 Dollar.

Silikon, Kleber, Nutella - Materialeinsatz begrenzt

Am Donnerstagabend feierte ein solcher 3-D-Drucker Deutschlandpremiere: Die Z-Punkt GmbH präsentierte auf ihrem Zukunftsforum „Rethinking Business. Produkte von morgen“ in Essen den ersten in Deutschland zusammengebauten Drucker des US-Projekts "Fab at home". Er entstand mit dem Karlsruher Ingenieursbüro Goraieb Versuchstechnik in vier Tagen Bauzeit. Noch kann er nur einfache Formen herstellen und auch die Materialien sind begrenzt. Sie müssen kalt formbar sein. Silikon und Zwei-Komponenten-Kleber haben ihren Tauglichkeitstest bereits bestanden. Auch die gedruckte Nutella-Tafel gibt es bereits.

„Wir sind an einem bescheidenen Anfang“, sagt der Wissenschaftsjournalist Niels Boeing. Doch Experten wie er sehen hinter dieser Technologie weitaus mehr, vergleichen ihr Potenzial mit der revolutionären Entwicklung des PC: einst teuer und unterschätzt. Heute für jeden bezahlbar und nicht mehr wegzudenken.

Neuer Trend zur Individualität

Vor allem neue Konsumtrends könnten der Technologie Bahn brechen. „Die Menschen fragen immer stärker nach maßgeschneiderten Produkten“, berichtet Klaus Burmeister, ebenfalls Geschäftsführer bei Z-Punkt, aus seinen Erfahrungen. Sie möchten sich abheben, sich unterscheiden. Massenproduktion und „Geiz ist geil“ waren gestern. Individualität und Qualität sind gefragt. „Darauf könnten Technologien wie der 3-D-Druck eine Antwort geben“, sagt Burmeister.

Die Wirtschaft jedenfalls beobachtet die Entwicklung längst. „Das ist ein ganz großes Thema“, sagt Burmeister, dessen Unternehmen Firmen in Zukunftsfragen berät. Völlig neue Geschäftsmodelle könnten sich dadurch auftun, andere verschwinden. Burmeister nennt Beispiele: „Ich suche mir meine passende Kleidung im Kaufhaus nicht mehr auf der Stange, sondern lasse sie mir je nach Farbe und Größe ausdrucken.“ Auch könnten Firmen ihre Produktpläne übers Internet verkaufen, und der Verbraucher kann sich daraus Tasse, Teller, Bilderrahmen usw. in einem Copy-Shop oder gar zu Hause selbst ausdrucken. Eine völlig veränderte Geschäfts- und Arbeitswelt wäre die Folge.

Revolutionäre Zukunft oder unrealistisches Gedankenspiel? Im Moment weiß keiner, wohin die Entwicklung geht, und das ist das Spannende daran.

Fotohinweis ganz oben: Z-Punkt-Geschäftsführer Andreas Neef (Mitte) mit dem deutschlandweit ersten 3-D-Drucker für Jedermann. Entstanden ist er aus einem Bausatz des US-Forschungsprojekts "Fab at home". Fotocredit: Z_punkt GmbH

 
 

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