Das Debakel mit dem ARD-„Hochzeitsschiff“

Kim Fisher und das „Hochzeitsschiff“ zeigten eine gruselige Mischung aus „Loveboat“ und „Traumhochzeit“. Foto: HR/Andreas Frommknecht
Kim Fisher und das „Hochzeitsschiff“ zeigten eine gruselige Mischung aus „Loveboat“ und „Traumhochzeit“. Foto: HR/Andreas Frommknecht
Foto: HR/Andreas Frommknecht
Es war wie eine gruselige Mischung aus „Loveboat“ und „Traumhochzeit“: Mit dem „Hochzeitsschiff“ ließ die ARD am Donnerstagabend ein schon totgeglaubtes TV-Format vom Stapel – und ging damit grandios unter.

Essen.. Wer glaubt, die Ehe hätte etwas mit Liebe, Vertrauen und Treue zu tun, der irrt gewaltig. Zumindest, wenn man den Machern der ARD-Show „Das Hochzeitsschiff“ Glauben schenken darf. Denn erfolgreich in der Ehe kann offenbar nur sein, wer gut Walzer tanzt, sich mit einem Stadtplan in Rom zurechtfindet und beim Zubereiten von Tintenfisch gekonnt den Kochlöffel schwingt.

Diese Prüfungen mussten vier heiratswillige Paare bestehen, die bei der Spielshow auf einem Kreuzfahrtschiff quer durchs Mittelmeer gekarrt wurden und um den ersten Preis – eine Hochzeit an Bord – kämpfen mussten. Als „Stiftung Ehetest“, also eine Prüfung auf Herz und Nieren der Liebe der Paare zueinander, war die Sendung von Moderatorin Kim Fisher großspurig angekündigt worden. Leider war die Show dann doch nur ein langweiliger Abklatsch ehemals großer Showformate.

Dabei wecken Hochzeitsshows doch eigentlich per se rührselige Erinnerungen an Sendungen wie Linda de Mols „Traumhochzeit“ oder die „Flitterhochzeit“ mit Michael Schanze. Wer denkt nicht gern an die guten alten Zeiten zurück, als Verlierer noch Beinahe-Gewinner waren und Schanze sie mit seinem allseits beliebten Standardsatz „Doch verlieren ist für euch nicht bitter, hier kommt unser Bobby Flitter“ von der Bühne schickte.

An Bord kam keine rechte Stimmung auf

Eigentlich hatte das „Hochzeitsschiff“ also alles, was das Zuschauerherz begehrt: ein einstmals erfolgreiches Konzept, die grandiose Szenerie des Mittelmeers und Kandidaten, die sich freiwillig vor der Kamera zum Affen machen. Trotzdem wollte an Bord irgendwie keine rechte Stimmung aufkommen.

Ob das aber an den hyperventilierenden, gesichtslosen Kandidaten, an den langweiligen Spielen, die künstlich zur „Nagelprobe für jede Partnerschaft“ hochstilisiert wurden, oder an der nerv tötenden Moderatorin (der „Lotsenfrau ins Glück“) lag, lässt sich nach diesem Show-Debakel schwerlich sagen. Und sogar manchem eingefleischten Romantiker dürften bei so gruseligen Sprüchen wie „Die Sonne versinkt golden wie ein frischgekaufter Ehering“ vor Schreck die Chips im Hals stecken geblieben sein.

Sinnloses Geschwafel und pseudo-spannende Prüfungen

Und so verkam die Show zu einem unendlich zähen, einschläfernden Mix aus sinnlosem Geschwafel und pseudo-spannenden Prüfungen, die Linda de Mol nicht mal von ihrer funkensprühenden Hochzeitstorte herunter gelockt hätten. Ist die Zeit der Hochzeitsshows also einfach abgelaufen? Ist das Publikum heutzutage viel zu sehr auf ekliges Dschungelgetier getrimmt, als dass bei schlichten Emotionen vor dem Traualtar Spannung aufkommen könnte? Eins steht jedenfalls fest: Die ARD sollte ihr „Hochzeitsschiff“ schnellstmöglich vor den nächsten Eisberg setzen – und demnächst lieber den privaten Sendern das Feld der seichten Unterhaltungsshows überlassen.

 
 

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