Charmanter Blick auf Schrulligkeiten

Mit der Komödie Der arme Ritter gastierte das Hamburger Ohnsorg Theater im Kulturhaus.
Mit der Komödie Der arme Ritter gastierte das Hamburger Ohnsorg Theater im Kulturhaus.
Foto: Jakob Salzmann WR

Lüdenscheid.. Falsches Essen, Medizin und Zeitung vergessen: Die erste Begegnung von Ludwig von Schwitters, der am Mittwochabend im gut besuchten Kulturhaus den „Armen Ritter“ des Hamburger Ohnsorg Theaters mimte, und der jungen Paula Dittmer steht unter keinem glücklichen Stern.

„Sie sind das Paradebeispiel der Jugend von heute“, wettert der alte Herr, der das Altersheim-Essen sonntags mit einem Menü aus seinem Lieblingsrestaurant tauscht. „Sie sind ein widerlicher Mensch“, zischt die junge Mutter ohne Schulabschluss, die ihm Wiener statt Pariser Schnitzel bringt, wütend zurück. Zaghaft, dann intensiver entwickelt sich eine Freundschaft, die beider Leben bereichert.

Tiefgründiges Stück

Ein tiefgründiges, sehr menschliches Stück brachte das Ohnsorg Theater am Mittwoch seinen Zuschauern mit der Komödie „Der arme Ritter“ von Stefan Vögel mit. Wilfried Dziallas schlüpfte unter Regie von Adelheid Müther/Kristina Rindfleisch in die Rolle des einsamen, giftspritzenden Schulmeisters, der fremdsprachige Zeitungen las und heimlich gegen seine Vergesslichkeit ankämpfte. Vor seinen alten Freunden, mit denen er sonntags zu einer Partie „Trivial Pursuit“ zusammenkam, und seiner jungen Freundin (quirlig und temperamentvoll: Birte Kretschmer) suchte der frühere Schlossbesitzer Haltung zu bewahren. Eine liebenswerte Runde kam zum Spielen in von Schwitters Zimmer zusammen.

„Panzerkreuzer“ Isolde

Als „seniler alter Trottel“, der mit allen Wassern gewaschen war, fühlte sich Wolfgang Sommer als Franz Josef Lohse stets als Sieger der Partie. Peter Wohlert als Norbert Klinke - seines Zeichens Bahnhofsvorsteher a.D. - war (fast) so blind wie ein Fisch. Als Elisabeth Kerr empfand Edda Pastor für den „Armen Ritter“, der nach einem Fehltritt in jungen Jahren keinen Kontakt mehr zu seiner einzigen Tochter hatte, weit mehr als nur Sympathie.

Den „Panzerkreuzer“, sprich die gestrenge Schwester Isolde, spielte Tanja Kleine charmant, mit kernigen Sprüchen auf der Zunge. Heiterkeit und Tiefgründigkeit zugleich besaß die charmante, vom Publikum begeistert gefeierte Komödie, die das Alter mit einem lachenden und einem weinenden Auge besah. Die Eigenarten und Schrulligkeiten der alten Herrschaften brachten zum Lachen. Krankheiten, das nahe Ende des Lebens, mit dem von Schwitters Kreislaufschwäche konfrontierte, ein unverstellter Blick auf vertane Chancen und Risse im Leben brachten Tiefgründigkeit ins Spiel. Sehr menschlich und natürlich erweckten die Akteure ihre Figuren zum Leben.

 
 

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