CDU warnt vor Schulchaos

DerWesten
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Düsseldorf. Die rot-grüne Landesregierung will NRW-Schulen künftig selbst überlassen, ob sie das Abitur nach zwölf oder dreizehn Schuljahren anbieten. Die CDU warnt vor „Beliebigkeit“ und „Schulchaos“. Ein Schulwechsel würde damit erschwert.

Die CDU lehnt die Pläne der rot-grünen Landesregierung für mehr Wahlfreiheit bei der Schulzeit bis zum Abitur ab. Das Vorhaben von SPD und Grünen führe zu „Beliebigkeit“ und „Schulchaos“, sagte der Bildungsexperte der CDU-Landtagsfraktion, Thomas Sternberg, am Dienstag in Düsseldorf. Schulwechsel würden damit innerhalb Nordrhein-Westfalens sowie von NRW in andere Bundesländer für die Schüler erschwert.

Wegen der heftigen Kritik von Eltern und Schülern an der verkürzten Abiturzeit an Gymnasien von acht Jahren (G 8) will die Landesregierung den Schulen wieder die Möglichkeit geben, die Schulzeit bis zum Abitur um ein Jahr zu verlängern (G 9). Erst vor fünf Jahren war die Verkürzung in Kraft getreten. Seitdem gibt es Kritik an wachsendem Schulstress und mangelhaften Bildungsinhalten bis zum Reifezeugnis.

„Kein Sonderweg“

Im rot-grünen Koalitionsvertrag heißt es zur geplanten Wahlfreiheit: „Wir ermöglichen den Gymnasien in Absprache mit den Eltern, Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und 509 Lehrern sowie den Schulträgern, sich bis zum Beginn des Anmeldetermins für das Schuljahr 2011/2012 zu entscheiden, ob sie das Abitur zukünftig nach 12 oder nach 13 Jahren anbieten wollen.“

Die abgewählte schwarz-gelbe Regierung habe mit der schlecht organisierten Einführung der kürzeren Abiturzeit selbst dazu beigetragen, dass nun eine Änderung notwendig sei, sagte die Grünen-Bildungsexpertin Sigrid Beer. NRW beschreite damit auch keinen Sonderweg: „In Schleswig-Holstein plant eine Koalition aus CDU und FDP ebenfalls diese Wahlmöglichkeit.“

„Ein Blick über den Teller- oder Länderrand würde im Interesse der Kinder nicht schaden“, sagte auch Udo Beckmann vom Verband Bildung und Erziehung (VBE).

Linke fordert „Stopp des Turbo-Abiturs“

Die Linke forderte den „sofortigen Stopp des Turbo-Abiturs“. Sinnvoll sei eine „flexible Regelung von zwei bis vier Jahren für die gymnasiale Oberstufe“, sagte die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Gunhild Böth.

CDU-Fraktionsvize Klaus Kaiser erneuerte unterdessen die Bereitschaft der größten Oppositionsfraktion, mit Rot-Grün am 23. September Verhandlungen über einen Schulkonsens zu beginnen. Voraussetzung seien aber „Schulvielfalt“ sowie der Erhalt der 630 Gymnasien in NRW. (dapd)